Lignin als nachwachsender Rohstoff Dienstag, 06.03.2012
Unter Koordination des Fraunhofer Instituts für Zuverlässigkeit und Mikrointegration (IZM), ein Technologie-Cluster für anwendungsorientierte, industrienahe Forschung, startet ein Verbund aus neun Partnern Arbeiten zu Biokunststoffen auf Lignin-Basis, um konventionelle Kunststoffe in der Elektronikindustrie zu ersetzen.
Das Verbundvorhaben „Lignin als nachwachsender Rohstoff für
Anwendungen in der Elektronik“ wird vom Bundesministerium
für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV)
über dessen Projektträger, die Fachagentur
Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR), Gülzow-Prüzen, mit
insgesamt knapp 2,6 Millionen Euro gefördert.
Im
Rahmen des Vorhabens sollen ligninbasierte Materialien
entwickelt werden, die sich z.B. für Bohr- und Fräsplatten,
Siebdruckrahmen und Leiterplattensubstratmaterial eignen.
Ziel des Verbundes, der die gesamte Wertschöpfungskette
abbildet, ist zudem die Etablierung eines Netzwerkes
„Biokunststoffe und Elektronik“.
Ausgangspunkt der
Entwicklungen bildet schwefelfreies Lignin, das mit
verschiedenen Verstärkungsmaterialien kombiniert wird. Für
ihren Einsatz in der Elektronik müssen die Materialien durch
spezielle Vorbehandlungen und Zugabe von Additiven an die
Produktanforderungen angepasst werden. Eine solche
Anforderung ist zum Beispiel die Langzeitbeständigkeit. Die
Forscher wollen sowohl spritzfähige als auch press- und
extrudierbare Materialien für die Herstellung von Platten
und Komponenten mit oder ohne funktionalisierte
(metallisierte) Oberflächen entwickeln.
Lignin sorgt
in der pflanzlichen Zelle für Festigkeit. Es ist nach
Cellulose der zweithäufigste Naturstoff und fällt als
Nebenprodukt bei der Zellstoffgewinnung weltweit im
Millionen-Tonnen-Maßstab an. Das enorme Biomassepotenzial
lässt sich jedoch bis heute aufgrund fehlender geeigneter
Verfahren und Anwendungsoptionen kaum stofflich nutzen. Vor
diesem Hintergrund hat das BMELV den Förderschwerpunkt
„Stoffliche Nutzung von Lignin“ veröffentlicht.
Bild: Fraunhofer IZM/J. Rückschloss - Leiterplatte aus Strohlignin, Hanf, Baumwolle und Naturharz
Erstellt am 28.02.2012