Kraftstoff aus Marktabfällen Sonntag, 25.03.2012
Forscher des Fraunhofer-Instituts für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB in Stuttgart haben ein Verfahren entwickelt, Kraftstoff aus Obst- und Gemüse-Abfällen von Großmärkten, Mensen und Kantinen herzustellen. Werden diese Lebensmittelreste vergoren, entsteht Methan, auch Biogas genannt. In Hochdruckflaschen gepresst kann es als Treibstoff dienen.
Eine erste Pilotanlage neben dem Stuttgarter Großmarkt
nehmen die Forscher Anfang dieses Jahres in Betrieb: In
einem zweistufigen Vergärungsprozess produzieren
verschiedene Mikroorganismen aus den Abfällen in wenigen
Tagen das gewünschte Methan. Die Abfälle enthalten viel
Wasser und wenig verholzte Teile und sind daher ideal für
das Vergären. Ein Problem stellt die stets wechselnde
Zusammensetzung der Abfälle dar. Die zu vergärenden Produkte
werden in verschiedenen Vorratsbehältern gesammelt und dort
werden automatisch einige Parameter des Abfalls bestimmt,
etwa der pH-Wert. Eine Konstanz der zu vergärenden Produkte
wird durch Mischen der Inhalte aus verschiedenen Behältern
erreicht, denn die verschiedenen Mikroorganismen brauchen zu
jeder Zeit gleiche Umgebungsbedingungen.
Ein
weiterer Vorteil der Anlage: Es wird alles verwertet, vom
Biogas über das flüssige Filtrat bis zum nicht weiter
vergärbaren schlammartigen Rest. Dabei hilft ein zweites
Teilprojekt in Reutlingen, eine Algenkultur. Bekommen die
Algen genügend Nährmedium, Kohlenstoffdioxid und
Sonnenlicht, produzieren sie in ihren Zellen Öl, das
Dieselmotoren antreiben kann. Als Nährmedium für die Algen
dient das Filtratwasser aus der Biogasanlage, es enthält
genügend Stickstoff und Phosphor. Das Kohlenstoffdioxid, das
die Algen zum Wachsen brauchen, erhalten die Forscher
ebenfalls aus dem Biogasreaktor in Stuttgart: Denn das
entstehende Biogas setzt sich zu etwa zwei Dritteln aus dem
gewünschten Methan, zu etwa 30 Prozent aus Kohlenstoffdioxid
zusammen. Alles, was nun noch übrig ist von den
Marktabfällen, ist der schlammartige Gärrest. Er wird von
Forschern aus dem Schweizer Paul Scherrer-Institut und dem
Karlsruher Institut für Technologie ebenfalls in Methan
umgewandelt.
Bild: Fraunhofer-Instituts für Grenzflächen- und
Bioverfahrenstechnik
- Verfahren zur Herstellung
von Kraftstoff aus Obst- und Gemüse-Abfällen
Erstellt am 18.03.2012