Haferspelzen gegen Abrieb von Kunststoffen Mittwoch, 28.03.2012
Die Professur Fördertechnik der TU Chemnitz hat gemeinsam mit regionalen Unternehmen in einem vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie mit rund 400.000 Euro für zwei Jahre geförderten Projekt ein Kunststoff-Compound entwickelt, das zu 60 Prozent aus dem nachwachsenden Rohstoff Haferspelzen besteht.
Die Spelzen, die die Blüten des Korns umgeben, werden beim
Hafer bereits vor dem Quetschen der Körner in der
Verarbeitung ausgesondert; Anwendungen für dieses Material
gibt es derzeit nur eines: der Bäcker streicht die
Backfläche mit einer Handvoll Spelzen ein - das verhindert,
dass der Teig kleben bleibt und anbrennt. Haferspelzen
überstehen bis zu 220 Grad Celsius, so dass eine
Einkompoundierung in verschiedene Kunststoffe aus
thermischer Sicht möglich ist.
Untersucht
haben die Wissenschaftler verschiedene Kunststoffarten,
unterschiedliche Körnungen der Haferspelzen, die
Mischungsverhältnisse und Kennwerte für Reibung und
Verschleiß sowie mechanische Eigenschaften. Als optimal
stellte sich eine Mischung von Polyethylen (PE) mit 60
Prozent Haferspelzen heraus. Vorteile des neuen Materials
zeigten sich bei Reibung und Verschleiß und in einer bis 30
% igen Kosteneinsparung durch den preiswerten
Füllstoff. Nachteile zeigen sich bei den mechanischen
Eigenschaften. Auch bei starken Schwankungen der
Luftfeuchtigkeit ist der Werkstoff nicht geeignet, da die
Haferspelzen aufquellen können.
Einsatzmöglichkeiten
für das Compound bieten sich dort, wo tribologische
Problemstellungen ein Einsparungspotenzial für Energie
darstellen, also auch in der Fördertechnik. Derzeit arbeiten
die Wissenschaftler daran, statt kleiner Probekörper große
Halbzeuge herzustellen.
Bild: TU Chemnitz/Uwe Meinhold - An der TU Chemnitz entwickeltes Kunststoff-Compound mit 60 % Haferspelzen zeigt geringen Abrieb und gutes Reibverhalten.