Ein Kunststoff, der sich erinnern kann Samstag, 16.06.2012
Auch Kunststoffe können ein Gedächtnis haben. Das zeigt das Beispiel eines neuen thermoplastischen Polyurethans (TPU), das Bayer MaterialScience, Leverkusen, gemeinsam mit der BAM Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung, Berlin, entwickelt hat.
Teile aus solchen Kunststoffen können vorübergehend in eine andere Form gebracht und in dieser Form fixiert werden. Werden sie über eine bestimmte Temperatur, die so genannte Schalttemperatur, erwärmt, dann „erinnern“ sie sich an ihre ursprüngliche Form und nehmen diese fast unverändert wieder ein. Im Fall des neuen Produkts Desmopan® DP 2795A SMP liegt die Schalttemperatur bei rund 40 °C. Die Abkürzung SMP steht dabei für die englische Bezeichnung solcher Kunststoffe als „Shape Memory Plastics“.
Der neue Werkstoff könnte sich unter anderem im Produkt- und
Markenschutz bewähren. So hat die BAM auf Basis des
TPU-Produkts Etiketten mit eingravierten, farbigen
Quick-Response (QR)-Codes entwickelt. Letztere sind nur zu
lesen, wenn die Etiketten in ihrer permanenten Form
vorliegen. Die Etiketten eignen sich daher sehr gut als
Informationsspeicher, um Waren fälschungssicher zu
kennzeichnen und zu identifizieren.
Vor
kurzem haben beide Partner eine mögliche Anwendung im
Bereich funktionaler Folientunnel und selbstaufrichtender
Strukturen zum Patent angemeldet. Folientunnel auf einem
Feld wirken wie Treibhäuser und beschleunigen das Wachstum
von Salat und Gemüse. Dabei werden auf eine transparente
Folie Profile aus dem TPU-Kunststoff aufgebracht, die zuvor
übergangsweise in eine flache Form gebracht wurden. Nach dem
Verlegen der Folie auf dem Beet brauchen die Profile nur auf
die Schalttemperatur erwärmt zu werden. Dabei „erinnern“ sie
sich an ihre gebogene, permanente Form und richten sich und
damit die Folie zu Halbtunneln auf – einer Nutzung als
Treibhaus steht nun nichts mehr im Wege.
Bild: Bayer
Erstellt am 07.06.2012