Das virtuelle Kraftwerk Montag, 29.04.2013
Der Zusammenschluss vieler kleinerer Stromerzeuger kann konventionelle Kraftwerke ersetzen. Wie mit Erneuerbaren Energien die Stromversorgung ohne erhöhtes Risiko für ein Blackout heute und in Zukunft möglich ist, zeigt das Forschungsprojekt Kombikraftwerk2. Forscher vom Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik IWES in Kassel stellen das Projekt auf der Hannover Messe 2013 vor.
Damit das funktioniert haben IWES-Forscher und Kollegen vom Siemens-Konzern in der E-Energy-Initiative des Bundes eine Softwareplattform entwickelt, mit der nach dem Motto »gemeinsam sind wir stark« viele kleinere Erzeuger zusammen als »virtuelles Kraftwerk« agieren können.
Seit Januar 2011 erproben die Forscher in der Regenerativen
Modellregion Harz (RegModHarz) ein solches Kraftwerk – mit
sehr guten Ergebnissen. Sie haben hier 25 Anlagen mit einer
Nennleistung von 120 Megawatt über das Internet und als
simulierte Speicher ein Pumpspeicherkraftwerk und
Elektrofahrzeuge zusammengeschaltet. Eine zentrale Steuerung
sorgt dafür, dass die Nachteile der erneuerbaren Energien
gemildert werden. Denn die Sonne scheint nicht immer, und
auch der Wind weht nicht kontinuierlich.
Wenn viele kleine Erzeuger zusammenarbeiten, kann man
regionale Unterschiede bei Wind und Sonne durch das
Stromnetz oder regelbare Biogasanlagen ausgleichen. Ferner
lässt sich überschüssiger Strom speichern oder in Wärme
umwandeln. Es entsteht ein leistungsfähiges Netzwerk, das
dezentral organisiert ist, aber nach außen hin – etwa an
Strombörsen – als größere Gesamtheit auftreten kann. Damit
das funktioniert, übernimmt die Leitwarte zwei Rollen
gleichzeitig: Als »Energieanlagenmanager« verwaltet und
überwacht sie die im virtuellen Kraftwerk zusammengeführten
Anlagen. Und als »Poolkoordinator« vermarktet sie
gleichzeitig die erzeugte Energie. Die Software des
virtuellen Kraftwerks aus dem Harz wird für das
Kombikraftwerk2 teilweise übernommen und um
Netzstabilisierungsfunktionen erweitert.
Wie das Stromversorgungssystem der Zukunft aussehen und wie
die einzelnen Anlagen über Deutschland verteilt sein
könnten, modellieren die Wissenschaftler detailliert in
ihrem Projekt. Das auf drei Jahre angelegte
Forschungsprojekt »Kombikraftwerk2« untersucht, wie ein rein
regeneratives Stromversorgungssystem funktionieren könnte
und welchen Bedarf es an Systemdienstleistungen geben wird.
Bild: Logo des Forschungsprojektes „Kombikraftwerk 2“ - Zusammenschluss vieler kleinerer Stromerzeuger kann konventionelle Kraftwerke ersetzen.
Erstellt am 23.04.2013