Wasseraufbereitung mit Licht Dienstag, 10.06.2014
Forscher des Fraunhofer- IGB haben ein Reaktorsystem entwickelt, in dem sich Wasser mit Hilfe von UV- Licht zuverlässig und mit hohem Durchsatz aufbereiten lässt – ohne dass chemische Katalysatoren zugesetzt werden müssen.
Einen ersten industriellen Prototyp präsentiert das Fraunhofer-Instituts für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB auf der diesjährigen IFAT vom 5. bis 9. Mai in München.
Kläranlagen entfernen nur einen Teil der Verunreinigungen.
Insbesondere persistente Stoffe wie aromatische
Kohlenwasserstoff-Verbindungen können von den Bakterien in
der biologischen Aufbereitungsstufe üblicherweise nicht
zersetzt werden. Die Folge: Rückstände von Reinigungs- und
Pflanzenschutzmitteln oder auch von Pharmaka gelangen in die
Gewässer.
An Stelle von Katalysatoren
nutzen die Forscher UV-Licht. Das Prinzip basiert auf der
Spaltung von Wasser-Molekülen durch Photonen. Je kürzer
dabei die Wellenlänge des Lichts ist, umso höher ist die
Photonenenergie. Verwendet wird ein UV-Licht im
Wellenlängenbereich von 172 Nanometern. Die damit erzeugten
energiereichen Photonen spalten H2O-Moleküle unter Bildung
von hochreaktiven Hydroxylradikalen, die in der Lage sind,
die sehr stabilen Kohlenwasserstoff-Verbindungen von
Schadstoffrückständen zu spalten.
Der beschriebene Prozess erfolgt nur in unmittelbarer
Umgebung des UV-Strahlers – einem rechteckigen, flachen
Glaskörper, der im Reaktorbehälter platziert wird. In
eingeschaltetem Zustand bildet sich an der Glasaußenfläche
eine etwa 50 Mikrometer dünne Reaktionsschicht, in der die
kurzlebigen Hydroxylradikale entstehen. Damit auch alle
Kohlenwasserstoff-Verbindungen aufgebrochen werden, muss das
Wasser im Reaktor kontrolliert durch diese Grenzschicht
geleitet werden. Den Stuttgarter Experten ist es gelungen,
die Wasserbewegung so exakt zu steuern, dass der gesamte
Reaktorinhalt zuverlässig und höchst effizient gereinigt
wird.
Der erste industrielle Prototyp hat einen Durchsatz von bis
zu 2,5 Kubikmetern pro Stunde. Der Durchsatz ist abhängig
vom Verschmutzungsgrad. Die Anlage verfügt über ein
Messsystem, das die Schadstoffbelastung des Wassers
kontrolliert. Erst wenn ein Minimalwert unterschritten ist,
wird es abgelassen. Die gesamte Anlagentechnik arbeitet
vollautomatisch und lässt sich sehr flexibel betreiben –
etwa, indem man sie abhängig vom Angebot an elektrischer
Energie kurzfristig zu- und abschaltet.
Bild: © Fraunhofer IGB - 172 nm UV-Strahler zur Reinigung von Wasser
Erstellt am 10.6.2014