Ölhavarien bekämpfen Sonntag, 22.06.2014
Wissenschaftler am Lehrstuhl für Geotechnik und Küstenwasserbau der Universität Rostock haben eine neue Methode zur Ölbekämpfung im küstennahen Bereich sowie in Flachwassergebieten, selbst bei hohem Wellengang, entwickelt.
Aus der Luft werden dabei vom Flugzeug aus biologisch abbaubare Binder in der Größe von fünf mal fünf Zentimetern und einer Dicke von vier Millimetern abgeworfen. Auf den Bindern sind ölabbauende Mikroorganismen immobilisiert. Das Projekt der Universität Rostock ist mit zwei Millionen Euro vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert worden.
Im Juni wird das neu entwickelte System mit einem
Forschungsschiff vom Leibniz-Institut für Ostseeforschung,
Warnemünde (IOW), in der Ostsee wie folgt getestet. Die
Piloten der Flieger scannen die Oberfläche des Meeres ab und
legen die Koordinaten einer angenommenen
Ölverschmutzung fest. Über ein zweites Flugzeug werden die
biologisch abbaubaren Binder dann abgeworfen. Anschließend
werden die Binder von der Wasseroberfläche aus mit
Netzsperren einfangen oder von Land aus mit Vakuumtechnik
aufgesaugt und thermisch entsorgt. Das Ziel ist, die
kontaminierten Ölbinder im schwimmenden Zustand rasch
einzusammeln. Dazu wurden Elemente klassischer Ölsperren mit
Fischereitechnik kombiniert. Die entwickelte Netzsperre ist
an Bojen aufgehängt und wird von zwei Schiffen gezogen. Die
Biobinder wurden von der TU Dresden entwickelt und bestehen
aus Holzfaserstoffen. Das sächsische Institut für angewandte
Biotechnologie hat Stämme gewässertypischer Mikroorganismen
untersucht und gefunden, mit denen die Binder bestückt
werden. Die Mikroorganismen, die in der Lage sind, Öl
abzubauen, werden aus dem Ostseewasser gezüchtet. Das
Besondere: Die Organismen können ein Jahr im trockenen
Zustand leben. Kommen sie dann in Flüssigkeiten, beginnen
sie zu wachsen und tun ihre Arbeit, nämlich Öl abbauen.
Das interdisziplinäre Verbundforschungsvorhaben zur
luftgestützten Ölhavariebekämpfung trägt den Namen BioBind.
Es wirkt sehr überzeugend in Ergänzung zu bestehenden
Systemen und bedeutet eine zeitnahe, weitgehend
seegangsunabhängige Reinigung von Flachwassergebieten und
küstennahen Bereichen. Erste Reaktionen deuten darauf hin,
dass diese neueste Technologie zur Ölbekämpfung auch im
Süßwasser oder Boden zum Einsatz kommen könnte.
Bild: Kristin Nölting/Uni Rostock - Die biologisch abbaubaren Binder haben eine Größe von 5 x 5 cm und eine Dicke von 4 mm
Erstellt am 22.6.2014