Präzise Zeitmessung Donnerstag, 02.04.2015
Atomuhren sind die genauesten Messinstrumente überhaupt, sie gehen erst nach Milliarden Jahren um eine Sekunde vor oder nach.
An der
TU Wien
möchte man aber noch einen Schritt weitergehen. Mit Hilfe
von Thorium-229-Kernen soll eine Atomkern-Uhr entwickelt
werden, die noch deutlich präziser und gleichzeitig
einfacher und robuster ist als bisherige Atomuhren. Damit
ließe sich sogar untersuchen, ob die Naturkonstanten
tatsächlich konstant sind, oder sich im Lauf der Zeit
minimal verändern. Im Rahmen des
Wissenschaftsförderungsprogramms Horizon 2020 fördert die EU
nun das Forschungsprojekt „nuClock“ für vier Jahre mit
insgesamt vier Millionen Euro, an dem neben der TU Wien auch
andere Universitäten und Firmen aus Deutschland und Finnland
beteiligt sind.
Jede Uhr braucht eine möglichst
konstante Schwingung, die den Takt angibt. Das kann die
Schwingung eines Pendels sein, die Oszillation eines
Kristalls in einer Quarzuhr – oder aber der Schwingungstakt
des Lichts, das von Atomen absorbiert wird. Die Sekunde ist
heute als jene Periode definiert, in der das
charakteristische Licht des Übergangs zwischen zwei
Zuständen des Cäsium-Atoms genau 9.192.631.770mal
schwingt.
Alle bisherigen Atomuhren nutzen
Übergänge in der Elektronenhülle des Atoms. Viel besser wäre
es allerdings, statt der Elektronen im Atom den Atomkern
selbst zu verwenden. Die Thorium-Kerne muss man nicht einmal
isoliert untersuchen, man kann sie sogar in Kristalle
einbauen und wird noch immer dieselben Energiezustände
messen. Für eine Atomkernuhr besonders geeignet ist
Thorium-229, ein Isotop, das nur künstlich hergestellt
werden kann und in weniger als einem Milligramm derzeit
weltweit verfügbar ist. Der Kern von Thorium-229 kann mit
sehr wenig Energie in einen angeregten Zustand versetzt
werden, der nach sehr langer Zeit wieder in den Grundzustand
zurückfällt. Man muss den Thoriumkern nur mit genau der
richtigen Lichtfrequenz bestrahlen, dann absorbiert er die
Strahlung, geht in den etwas höheren Energiezustand über,
wechselt dann ein paar tausend Sekunden später wieder in den
ursprünglichen Zustand zurück und sendet dabei wieder Licht
aus, das gemessen werden kann. Die exakte Frequenz zu
bestimmen ist Aufgabe des Forschungsvorhabens.
Bild: TU Wien - Eine Scheibe, die Thorium-229-Kerne enthält. Sie sollen in künftigen Kern-Uhren den Takt angeben.
Erstellt am 1. April 2015