Verbrennungsmotoren aus Kunststoff Montag, 11.05.2015
Sollen Autos leichter werden, muss auch der Motor abspecken. Beispielsweise, indem man ihn aus faserverstärktem Kunststoff herstellt.
Forscher der Projektgruppe „Neue Antriebssysteme NAS“ des
Fraunhofer-Instituts für Chemische Technologie ICT,
Pfinstal, haben gemeinsam mit dem japanischen
Unternehmen Sumitomo Bakelite High Performance Plastics
SBHPP für einen Einzylinder-Forschungsmotor ein
Leichtbau-Zylindergehäuse aus rieselfähigem,
faserverstärktem Phenolharz hergestellt. Solche
Zylindergehäuse wiegen bis zu 20 % weniger als
Konstruktionen aus Aluminium und lassen sich in Großserie
per Spritzguss produzieren – bei etwa gleichen Kosten.
Der Kunststoff muss extremen Temperaturen und
hohen Drücken standhalten sowie Schwingungen unbeschadet
überstehen. Dass dies mit Kunststoffen generell machbar ist,
war bereits in den 80er Jahren bekannt. Doch die damaligen
Motoren hätten von Hand gefertigt werden müssen. In
Bereichen, wo starke thermische oder mechanische Belastungen
auftreten, wurden Inserts aus Metall eingebracht. So
etwa in der Zylinderlaufbuchse. Auch die Geometrie wurde
kunststoffgerecht angepasst, so dass der Kunststoff
möglichst wenig Hitze aushalten muss. Zudem muss er sich gut
mit den Metallinserts verbinden und darf sich bei Erwärmung
nicht stärker ausdehnen als diese – sonst würden sich die
Inserts ablösen. Das glasfaserverstärkte Phenolharz von
SBHPP mit 55 % Faser- und 45 % Harz-anteil ist ausreichend
fest und steif und beständig gegen glykolhaltiges
Kühlwasser, Öl und Benzin.
Ein Prototyp
des Motors wurde im April auf der Hannover Messe
vorgestellt. Der Motor wurde bereits erfolgreich auf dem
Prüfstand getestet, wobei gleiche Eigenschaften – etwa
hinsichtlich der Leistung – wie bei herkömmlichen Motoren
erreicht wurden.
Quelle: Konstruktionspraxis
Vogel
Bild: Fraunhofer ICT - Forschungsmotor mit
eingebautem Leichtbau-Zylindergehäuse. Im Bild ist ein
Messedemonstrator zu sehen.
Erstellt am 11. Mai
2015
KK