Klee-Innovationspreis Montag, 22.06.2015
Göttinger erhalten für innovative Plasma-Forschung den Innovationspreis der Stiftung Familie Klee.
Für ihre innovative Plasma-Forschung zur Behandlung von
Hauterkrankungen sind Prof. Dr. Wolfgang Viöl, Vizepräsident
der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK)
und Leiter des Anwendungszentrums für Plasma und Photonik
des Fraunhofer-Instituts für Schicht- und Oberflächentechnik
IST, Prof. Dr. med. Steffen Emmert, Oberarzt der Klinik für
Dermatologie, Venerologie und Allergologie der
Universitätsmedizin Göttingen (UMG), Dr. Andreas Helmke vom
Fraunhofer-Anwendungszentrum und Regina Tiede von der UMG
mit dem Innovationspreis der Familie Klee ausgezeichnet
worden. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis wird seit 1995 an
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verliehen, deren
Leistung »es durch neuartige Kombination medizinischer und
technischer Kenntnisse ermöglicht, Krankheiten zu heilen,
ihre Therapie zu verbessern oder die Auswirkungen der
Krankheit zu mildern«.
Dem 2002 in Frankfurt
verstorbenen Ingenieur Gerhard Klee war es ein Anliegen,
auch über seinen Tod hinaus Menschen zu fördern, die seine
Liebe zur biomedizinischen Technik, seinen Wissensdurst und
seine Beharrlichkeit teilen. Klee arbeitete bei der Samson
AG und hatte in seinem Arbeitsvertrag zur Bedingung gemacht,
»mit einem kleinen Bruchteil an der Umsatzsteigerung der
Firma beteiligt zu werden, wenn die Steigerung auf von ihm
entwickelte neuartige, patentamtlich geschützte Produkte
zurückzuführen wäre«. Im Laufe der Jahrzehnte wurden viele
Erfindungen patentiert. Aus diesen Erlösen konnte die
Stiftung »Familie Klee« gegründet werden.
Mediziner
Emmert und Techniker Viöl wurden am 12. Juni 2015 in
Frankfurt am Main für ihre »neuartigen Therapieansätze mit
kaltem Atmosphärendruck-Plasma in der Dermatologie«
ausgezeichnet. Beide Wissenschaftler arbeiten mit ihren
Forschungsgruppen seit sieben Jahren eng zusammen.
Physikalisches
Plasma kann vereinfacht als teilweise ionisiertes Gas
angesehen werden und kommt z. B. in Leuchtstoffröhren oder
der Unterhaltungselektronik (Fernseher) zum Einsatz. Bei
einer Plasmaapplikation auf der Haut wirken
Plasmakomponenten auf das Gewebe ein und können eine ganze
Reihe komplexer biophysikalischer und biochemischer
Reaktionen und physiologischer Wirkungen auslösen. Viele
unabhängige Studien konnten zum Beispiel zeigen, dass kaltes
Atmosphärendruck-Plasma entzündungshemmend und stark
antimikrobiell wirkt. Diese Untersuchungen belegen, dass
Plasma effizient und innerhalb von Sekunden verschiedene
Arten von Bakterien, Pilzen, Sporen und Viren inaktivieren
kann.
Aus der Entwicklungsarbeit der
Universitätsmedizin Göttingen, des
Fraunhofer-Anwendungszentrums, der HAWK und der CINOGY GmbH,
einer HAWK-Ausgründung, entstanden beispielsweise die
PlasmaDerm®-Produkte zur Desinfektion von Haut und Wunden.
Diese Geräte bekamen im Frühjahr 2013 die weltweit erste
CE-Kennzeichnung eines medizinisch einsatzfähigen
Plasmagerätes als ein plasmatherapeutisches Medizinprodukt
zur Wundbehandlung in der Dermatologie. Das CE-Zertifikat
belegt die Einhaltung von Anforderungen zur Gewährleistung
von Gesundheitsschutz, Sicherheit und Umweltschutz.
Das
Preisgeld soll für die weitere Erforschung von potentiellen
Risiken sowie weitere Einsatzmöglichkeiten von kaltem
Atmosphärendruck-Plasma verwendet werden.
Quelle:
Fraunhofer-Institut für Schicht- und
Oberflächentechnik
Bild: © Stiftung Familie Klee, Fotograf: Dr.
Christiane Fechner
Preisverleihung der Stiftung Familie
Klee in Frankfurt: (2.Reihe v.l.n.r.) Max Fechner
(Stiftung), Herrmann-Andreas Koch (Förderpreis), Prof.
Steffen Emmert, Prof. Wolfgang Viöl, Dr. Marianne Mertens
(Förderpreis), Stephan Eismann (Förderpreis), Dr. Christian
Kunz (Stiftung), Jürgen Osterburg (Stiftung). 1. Reihe
v.l.n.r.: Dr. Christiane Fechner, (Stiftung), Marita
Lewening (Stiftung), Prof. Madhukar Pandit (Stiftung), Dr.
Ullrich Fechner (Stiftung).
Erstellt am
19. Juni 2015