Laser-Plasma-Hybridverfahren Dienstag, 07.07.2015
Fraunhofer-Nachwuchspreis für Wissenschaftler des Anwendungszentrums für Plasma und Photonik des Fraunhofer IST
Der göttinger Wissenschaftler Dr. Christoph Gerhard vom Anwendungszentrum für Plasma und Photonik des Fraunhofer-Instituts für Schicht- und Oberflächentechnik IST erhielt für seine Dissertation zum Thema Lasermikrostrukturierung einen der Fraunhofer-Nachwuchspreise »Green Photonics«.
Bereits zum dritten Mal würdigt das
Fraunhofer-Innovationscluster Green Photonics
Abschlussarbeiten, die sich mit der nachhaltigen Nutzung von
Licht befassen, und nicht nur eine hohe wissenschaftliche
Qualität, sondern auch eine hohe Anwendungsrelevanz
aufweisen. Bei der Doktorarbeit von Christoph Gerhard mit
dem Titel »Atmosphärendruckplasma-unterstützte Laserablation
optischer Gläser« sind diese Kriterien erfüllt. Er
untersuchte gleich zwei neuartige Verfahren zur
Lasermikrostrukturierung von optischen Gläsern, sogenannte
Laser-Plasma-Hybridverfahren. In beiden Fällen wird eine
Laser- mit einer Plasmabehandlung kombiniert. »Mit dem
physikalischen Plasma bringen wir ein neues Element in die
Mikrostrukturierung ein. Dies eröffnet eine Fülle von
möglichen Wechselwirkungen während der Laserstrukturierung«,
so Gerhard.
Bei der sequentiellen Methode wird
das Glas zunächst mit einem Plasma bei Atmosphärendruck
vorbehandelt und dadurch chemisch so verändert, dass sich
auch die optischen Eigenschaften ändern und der Laserstrahl
besser in das Glas einkoppeln kann. Auf diese Weise wird
nicht nur die Energie effizienter genutzt, sondern auch das
Bearbeitungsergebnis optimiert.
Noch effizienter,
schneller und kostengünstiger ist die simultane
plasmagestützte Lasermikrostrukturierung. Durch das kalte
Plasma wird zusätzliche Energie eingebracht, sodass der
Materialabtrag durch den Laser verdoppelt wird.
Bearbeitungszeiten können somit verkürzt oder die
Laserenergie verringert werden.
»Plasma ist ein sehr
vielseitiges und umweltfreundliches Werkzeug«, erklärt
Professor Viöl, Vizepräsident der HAWK Hochschule
Hildesheim/Holzminden/Göttingen und Leiter des
Fraunhofer-Anwendungszentrums. Zu seiner Erzeugung brauche
man nur das nötige Fachwissen, passende Plasmaquellen und
die Einstellung der richtigen Plasma¬parameter. Im Gegensatz
zu anderen Anwendungen entstünden bei einer Plasmaquelle
keine chemischen Abfälle, eine grüne Technologie also.
Die
Kombination von Laser- und Plasmatechnik ist ein wichtiger
Forschungsschwerpunkt der Gruppen um Prof. Viöl am
Fraunhofer Anwendungszentrum und Prof. Wieneke, der das
Thema an der Göttinger HAWK-Fakultät Naturwissenschaften und
Technik ausbaut. »Wir freuen uns sehr, dass die
hervorragende Arbeit von Christoph Gerhard durch den Preis
gewürdigt wird und dieses vielversprechende Themenfeld
dadurch eine besondere Beachtung erlangt«, so Viöl. Das Team
des Anwendungs¬zentrums präsentiert die neuen Verfahren noch
bis zum 25. Juni auf der LASER in München.
Hintergrundinformationen
Zur Person des Preisträgers
Dr. Christoph
Gerhard wurde 1977 in Lich geboren. Nach seiner Ausbildung
zum Feinoptiker studierte er von 2002 bis 2006
Präzisionsfertigungstechnik an der Fakultät
Naturwissenschaften und Technik der HAWK Hochschule für
Angewandte Wissenschaft und Kunst in Göttingen. Seine
Diplomarbeit zum Thema »Development of a Diode-Pumped High
Energy Ultrashort Laser Source for Material Processing
Applications« erstellte er am Laboratoire Charles Fabry de
l‘Institut d’Optique in Orsay bei Paris. In seinem
Masterstudium spezialisierte sich Gerhard auf den
Schwerpunkt »Optical Engineering/Photonics«. 2009 wurde Dr.
Gerhard für seine Arbeiten zur Entwicklung neuartiger
Kurzpulslaserquellen mit dem Georg-Simon-Ohm-Preis der
Deutschen Physikalischen Gesellschaft ausgezeichnet. Von
2006 bis 2009 arbeitete er als Produktmanager bei der
Göttinger Firma Linos Photonics, jetzt QIOPTIQ. Seine
Dissertation mit dem Thema »Atmospheric Pressure
Plasma-Assisted Laser Ablation of Optical Glasses« fertigte
Christoph Gerhard an der HAWK in Göttingen und der
Technischen Universität Clausthal an. Darüber hinaus ist er
seit 2012 mit dem Aufbau des Forschungsgebiets
Laser-Plasma-Hybridtechnologie am Anwendungszentrum für
Plasma und Photonik des Fraunhofer IST betreut.
Das Fraunhofer-Innovationscluster »Green Photonics«
Das Fraunhofer-Innovationscluster Green Photonics
bündelt die Kräfte von Wirtschaft, Wissenschaft, Bund und
Freistaat Thüringen mit dem Ziel, unter Anwendung von Licht
Beiträge zur Lösung drängender Zukunftsfragen wie
alternative Energiegewinnung, Einsparung von Energie und
Ressourcen, Klima und Umweltschutz zu entwickeln, neue
Märkte in wichtigen Zukunftsfeldern zu erschließen und die
Grundlagen für nachhaltiges Wachstum am Standort Deutschland
zu schaffen.»Grüne« optische und optoelektronische
Technologien haben hier ein enormes Potenzial, sowohl unter
ökonomischen als auch unter ökologischen Gesichtspunkten. Um
die wissenschaftliche Weiterentwicklung dieser
Zukunftsthemen zu fördern und neue Impulse aufzunehmen,
werden herausragende akademische Arbeiten mit dem
Nachwuchspreis »Green Photonics« gewürdigt.
Das Fraunhofer-Institut für Schicht- und
Oberflächentechnik IST
Das Fraunhofer-Institut für Schicht- und
Oberflächentechnik IST bündelt als industrienahes
FuE-Dienstleistungszentrum Kompetenzen auf den Gebieten
Schichtherstellung und -anwendung, Oberflächenmodifikation
sowie Analytik und Charakterisierung. Ziel ist es,
Oberflächen der verschiedensten Grundmaterialien neue oder
verbesserte Funktionen zu verleihen, um auf diesem Wege
innovative, marktgerechte Produkte zu schaffen. Die
Schwerpunkte des Anwendungszentrums für Plasma und Photonik
in Göttingen liegen dabei u. a. im Einsatz von Plasmen in
den Bereichen Energietechnik, Produktion, Bioengineering,
Hygiene, Gesundheit und Umwelt.
Die HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst
Hildesheim/ Holzminden/ Göttingen
Die HAWK qualifiziert ihre Studierenden in insgesamt
sechs Fakultäten an den Standorten Hildesheim, Holzminden
und Göttingen mit derzeit 21 Bachelor- und 14
Master¬studiengängen und insgesamt etwa 5700 Studierenden.
Am Standort Göttingen studieren rund 1450 junge Leute an den
Fakultäten »Naturwissenschaften und Technik« sowie
»Ressourcenmanagement«. Die enge Vernetzung mit regionalen
und überregionalen Projektpartnern in Lehre und Forschung
sowie die stark interdisziplinäre Ausrichtung unterstreichen
die Praxisorientierung der Hochschule. Neben den zentralen
Lehrinhalten werden auch umfangreiche
studiengangübergreifende Seminare angeboten. Das »Centre for
Entrepreneurship« begleitet interessierte Studierende
professionell auf dem Weg in die Selbstständigkeit.
Bild + Quelle:
Fraunhofer-Institut für Schicht- und
Oberflächentechnik
Erstellt am 7. Juli 2015