Abgasrecycling Mittwoch, 22.07.2015
Im Labormaßstab gelang es, Kraftstoffe und Spezialchemikalien aus Stahlwerksabgasen herzustellen.
Kohlenmonoxidreiche Abgase aus Stahlwerken werden nur zu
einem kleinen Teil als Strom oder Wärme zurückgewonnen.
Forscher des Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und
Angewandte Oekologie (IME) Schmallenberg, haben einen
neuen Verwertungsweg für diese stofflich ungenutzte
Kohlenstoffquelle aufgetan: Sie konnten im Labormaßstab aus
den Abgasen Kraftstoffe und Spezialchemikalien herstellen.
Die Forscher fermentieren die Gase mit Hilfe genetisch
veränderten Bakterienstämmen zu Alkoholen und Aceton, setzen
beide Stoffe katalytisch zu einem dieselartigen
Zwischenprodukt um und stellen daraus Kerosin sowie
Spezialchemikalien her. Neben den Abgasen der
Stahlherstellung können auch Synthesegas-ähnliche
Gasgemische aus der Haus- und Industriemüll-Verbrennung für
das entwickelte Verfahren genutzt werden.
Die
Biochemiker am IME nutzen Synthesegas – ein Gemisch aus
Kohlenmonoxid, Kohlendioxid und Wasserstoff – als
Kohlenstoffquelle für die Fermentation. Mit Bakterienstämmen
der Gattung Clostridium wandeln sie das Synthesegas entweder
in kurzkettige Alkohole, wie Butanol und Hexanol, oder zu
Aceton um. Das IME hat dafür neue genetische Verfahren zur
effizienten Integration großer Gencluster im
Clostridien-Genom entwickelt. Gleichzeitig bauten die
Forscher ihre Synthesegas-Fermentationsanlage weiter aus und
nutzten sie für Versuche mit der Stahl- und
Chemieindustrie.
Die noch
restwasserhaltigen Fermentationsprodukte werden verdampft,
und in einem kontinuierlichen katalytischen Prozess werden
die Fermentationsmoleküle zu einem Zwischenprodukt,
bestehend aus längeren Alkoholen und Ketonen ausgekoppelt.
Dieses Zwischenprodukt erfüllt bereits die Schiffsdieselnorm
und lässt sich durch Hydrieren, ähnlich wie Fette und Öle,
in Dieselkraftstoff für Fahrzeuge und Kerosin für Flugzeuge
umwandeln.
Aus dem Zwischenprodukt können ebenfalls
Spezialchemikalien isoliert werden, die erdölbasierte
Produkte schon jetzt direkt ersetzen können.
Quelle:
Fraunhofer
Bild: Fraunhofer IME - Fraunhofer stellt in seinen
Fermentationsanlagen mit Synthesegas aus Stahlwerken Alkohol
und Aceton her. Daraus lassen sich Kraftstoffe und
Spezialchemikalien gewinnen.
22.07.2015
KK