Schlangenmuster schützt Stahl vor Reibung Donnerstag, 20.08.2015
Forscher des KIT haben ein Verfahren entwickelt, das Stahlbolzen widerstandsfähiger gegen Reibung macht – das Vorbild kommt aus der Natur
Eine Schlange kommt auch ohne Beine vorwärts, weil sie sich
mit ihrem Bauch vom Boden abstößt. Sie erzeugt dabei nur an
den Stellen Reibung, die sie braucht, um sich nach vorne zu
bewegen und kann so verhindern, dass sich ihre Schuppen
durch zu starke Reibung abnutzen. Forscher des Karlsruher
Instituts für Technologie (KIT) haben eine Möglichkeit
gefunden, diese Eigenschaft auf Bauteile in beweglichen
Systemen zu übertragen. So könnten Stahlbolzen
widerstandsfähiger gegen Reibung gemacht oder die
Lebensdauer von Hüftprothesen, Computer-Festplatten oder
Smartphones verlängert werden.
Mit einem
Faserlaser haben die Forscher Schuppen auf einen Stahlbolzen
mit 8 mm Durchmesser gefräst. Jede Schuppe ist fünf
Mikrometer hoch und hat eine seitliche Abmessung von 50
Mikrometer (10-6 Meter). In der Natur sind die
Schuppen einer Schlange etwa 300 bis 600 Nanometer (10-9
Meter) klein, die des Sandfisches etwa zwei mal drei
Millimeter (10-3 Meter). Damit stimmen die eingelaserten
Schuppen in ihrer Größe zwar nicht mit denen der Reptilien
überein. Allerdings konnten Wissenschaftler des KIT in einem
anderen Projekt zeigen, dass eine Veränderung der Größe
nicht zwangsläufig dazu führt, dass die künstliche Struktur
weniger effektiv ist als die natürliche.
Um zu
untersuchen, ob die Schuppen Reibung verringern können,
wurde die bearbeitete Oberfläche der Bolzen auf eine sich
drehende Platte angebracht. Die Versuche fanden einmal ohne
und einmal mit Schmiermittel statt. Versuche im
geölten Zustand zeigten, dass sowohl eine enge als auch eine
weite Anordnung der Schuppen die Reibung im Vergleich zum
unbehandelten Bolzen erhöht. Im nicht-geölten Zustand
dagegen konnten die Schuppen, die mit einem weiten Abstand
zueinander eingelasert waren, die Reibung um mehr als 40
Prozent reduzieren, die eng aneinanderliegenden um 22
Prozent.
Bild: Von der Natur inspiriert und per Laser auf einen
Stahlbolzen gefräst: 3-D-Aufnahme der schuppenähnlichen
Struktur (Aufnahme: Christian Greiner,
KIT)
20.08.2015
KK