Batterien aus Kunststoff Mittwoch, 28.10.2015
Chemiker präsentieren neuartige Redox-Flow-Batterie auf Polymer-Basis
Für eine kontinuierliche Stromversorgung und stabile
Energienetze sind Stromspeicher erforderlich.
Vielversprechend sind sogenannte Redox-Flow-Batterien, die
allerdings bislang auf teure Metalle und aggressive Säuren
angewiesen sind. Ein Schritt zu einer einfach handhabbaren,
sicheren und zugleich ökonomischen Redox-Flow-Batterie ist
nun einem Forscherteam der Friedrich-Schiller-Universität
Jena und der JenaBatteries GmbH gelungen: Sie haben eine
Redox-Flow-Batterie auf Basis von Polymeren und einer
ungefährlichen Kochsalzlösung entwickelt. Das Neuartige an
diesem Batteriesystem ist, dass es deutlich günstiger
hergestellt werden kann, aber dennoch fast die Kapazität und
Leistung herkömmlicher, metall- und säurehaltiger Systeme
erreicht.
Bei einer Redox-Flow-Batterie bestehen
die Elektroden nicht aus Feststoffen - meist Metalle und
Metallsalze -, sondern liegen in gelöster Form vor: Die
Elektrolytlösungen lagern in zwei Tanks, die den Plus- und
Minus-Pol bilden und als Energiespeicher dienen. Mithilfe
einer Pumpe werden sie in eine elektrochemische Zelle
gebracht, in der die Elektrolyte chemisch reduziert bzw.
oxidiert werden, so dass elektrische Energie frei wird oder
gespeichert werden kann. Damit sich die Elektrolyte nicht
vermischen, ist die Zelle in der Mitte durch eine Membran
getrennt. Bisherige Systeme verwenden als Elektrolyte
meist in Schwefelsäure gelöste Ionen des Metalls
Vanadium.
Die Redox-Flow-Batterie der
Jenaer Forscher verwendet hingegen neuartige Kunststoffe:
Diese ähneln in ihrem grundlegenden Aufbau Plexiglas und
Styropor, doch sie sind so um funktionale Einheiten ergänzt,
dass sie Elektronen aufnehmen bzw. abgeben können. Als
Lösungsmittel sind keine aggressiven Säuren notwendig,
sondern die Polymere "schwimmen" in einer
wässrigen Kochsalzlösung. Bei diesem Konzept können
einfache und preisgünstige Cellulose-Membrane verwendet
werden. In ersten Tests konnten bis zu 10.000 Ladezyklen
ohne entscheidenden Kapazitätsverlust erreicht werden. Die
Energiedichte des in der aktuellen Studie vorgestellten
Systems beträgt zehn Wattstunden pro Liter.
Foto:
Anne Günther/FSU - Das Jenaer Forscherteam mit der neuen
Batterie (v. l.): Prof. Dr. Ulrich S. Schubert, Tobias
Janoschka und Dr. Martin Hager.
28.10.2015
KK