Solarzellen aus Kunststoff Montag, 25.01.2016
Kunststoff-Solarzellen aus dem Drucker: TUM-Forscher wollen Effizienz bei organischer Photovoltaik verbessern
Forscherinnen und Forschern der Technischen Universität München (TUM) ist es gelungen, Vorgänge bei der Herstellung der organischen Solarzellen auf molekularer Ebene in Echtzeit zu beobachten. Die Ergebnisse, die im Fachmagazin "Advanced Energy Materials" veröffentlicht wurden, helfen dabei, die Leistung organischer Solarzellen zu verbessern.
Solarmodule, die bislang auf den Dächern vieler Häuser zu sehen sind, bestehen größtenteils aus dem Halbleiter Silizium. Sie sind schwer, ihre Befestigung auf Dächern daher aufwändig. Auch fügen sie sich oft nicht harmonisch in die Umgebung ein.
Solarzellen aus Kunststoff versprechen Durchbruch
Eine Alternative zu herkömmlichen Solarzellen sind
die sogenannten organischen Solarzellen, die aus Kunststoff
bestehen. Diese können einfach als dünner Film mit einem
industriellen Drucker hergestellt werden. Die Installation
dieses Films an verschiedenen Orten ist unkompliziert.
Außerdem ist es auch möglich, die Farbe und Form der
Solarzellen zu verändern. Allerdings gibt es einen Nachteil:
Noch reicht die Effizienz der organischen Photovoltaik nicht
an die Silizium-Solarzellen heran.
Prozesse auf Nanoebene
Eine Stellschraube, um
mithilfe der flexiblen Solarzellen mehr Energie aus der
Sonne zu gewinnen, ist die Anordnung der molekularen
Bausteine des Materials. Diese ist wichtig für die
Energieumwandlung. Denn wie bei der "klassischen"
Solarzelle müssen freie Elektronen erzeugt werden. Dazu
benötigen Kunststoffsolarzellen zwei Materialtypen: Einen,
der Elektronen abgibt (Elektronendonator), und einen, der
sie wieder aufnimmt (Elektronenakzeptor). Diese Materialien
müssen eine möglichst große Grenzfläche zueinander
aufweisen, um Licht in Strom umzuwandeln. Wie genau sich die
Moleküle beim Drucken der Solarzellen zueinander anordnen
und wie die Kristalle während des anschließenden
Trocknungsvorgangs wachsen, ist nicht bekannt. "Um
die Anordnung der Bausteine gezielt beeinflussen zu können,
müssen wir verstehen, was auf molekularer Ebene
passiert", erklärt Dr. Eva M. Herzig von der Munich
School of Engineering (MSE). Solche kleinen Strukturen
innerhalb eines trocknenden Films zeitaufgelöst zu messen
ist eine experimentelle Herausforderung.
Je langsamer, desto effizienter
Stephan Pröller,
Doktorand an der MSE, nutzte in Zusammenarbeit mit dem
Lawrence Berkeley National Laboratory, USA,
Röntgenstrahlung, um die Moleküle und deren Prozesse während
des Druckens eines Kunststoff-Films sichtbar zu machen.
Dabei identifizierte er verschiedene Phasen, die beim
Trocknen des Films ablaufen. Anfangs verdampft das
Lösungsmittel, wodurch sich die Konzentration der
Kunststoffmoleküle im noch feuchten Film stetig erhöht. Ab
einer gewissen Konzentration beginnt das Material, das als
Elektronendonator fungiert, zu kristallisieren; die Moleküle
des Elektronenakzeptors bilden Aggregate. Die
Elektronendonator-Kristalle vergrößern sich schnell, was
dazu führt, dass sich auch die
Elektronenakzeptor-Aggregate weiter zusammenschieben.
Dieser Prozess legt die Abstände der Grenzflächen zwischen
den beiden Materialien fest. Diese sind entscheidend für die
Effizienz. Um die Solarzellen zu verbessern, muss
daher bei diesem Prozessschritt angesetzt werden.
In der letzten Phase finden noch Optimierungsprozesse innerhalb der jeweiligen Materialien statt, wie die Verbesserung der Packungsdichte in den Kristallen."Die Geschwindigkeit der Herstellung spielt eine wichtige Rolle", erklärt Pröller. Bei schnelleren Trocknungsvorgängen bleibt der Ablauf zwar gleich. Allerdings beeinflussen die von den Materialien gebildeten Aggregate und Kristalle den weiteren Verlauf der Strukturbildung. Eine langsamere Strukturbildung wirkt sich positiv auf die Effizienz der Solarzellen aus. Die Forscher wollen nun die gewonnenen Kenntnisse der Abläufe nutzen, um gezielt mit weiteren Parametern die Kontrolle über die Anordnung der Materialien zu bekommen. Diese Ergebnisse können dann in die industrielle Herstellung übertragen und diese damit optimiert werden. (gra)
Bild: Stephan Pröller (li.) und Dr. Eva M. Herzig vor dem Drucker, mit dem Kunststoff-Solarzellen hergestellt werden. Die Wissenschaftler untersuchen, was bei dem Prozess auf molekularer Ebene abläuft. (Foto: Uli Benz / TUM)
25.01.2016