Feuerbeständiger Hochleistungsbeton Mittwoch, 03.02.2016
Polymere machen Beton feuerbeständig
Wissenschaftler der Eidgenössische Materialprüfungs- und
Forschungsanstalt (Empa), Dübendorf, Schweiz stellten
mit Hilfe von superabsorbierenden Polymeren
selbstverdichtenden Hochleistungsbeton her, der selbst
bei Bränden lange stabil bleibt.
Selbstverdichtender
Hochleistungsbeton (SHB) hatte bisher eine Schwachstelle:
Wasser im Inneren eines Betonträgers verdampft aufgrund der
hohen Temperatur in einem Feuer; der entstehende Druck führt
zu einem Abplatzen von Teilen, wodurch seine Tragfähigkeit
leidet. Die Widerstandsfähigkeit gegen die Hitze eines
Feuers lässt sich bei herkömmlichem Rüttelbeton durch die
Beimischung von einigen Kilogramm Polypropylen-Fasern
(PP-Fasern) pro Kubikmeter Beton optimieren. Wenn es brennt,
schmelzen diese Fasern. Ein Netzwerk von Kanälen bleibt
zurück und durchzieht den Beton. Durch dieses kann der
Wasserdampf entweichen, der Druck im Innern sinkt, das
Betonteil bleibt ganz.
Bei SHB gibt es ein
anderes Problem: Mehr als zwei Kilogramm PP-Fasern pro
Kubikmeter SHB beeinträchtigt die Selbstverdichtung. Daher
müsste der Anteil an PP-Fasern in SHB entsprechend tief
sein, was zur Folge hat, dass sich im Brandfall kein
zusammenhängendes Kanalsystem ausbilden kann, um die
Abplatzungen zu verhindern. Empa Forscher
mischten dem Beton zwei Kilogramm PP-Fasern pro Kubikmeter
Beton. sowie eine geringe Menge superabsorbierende Polymere
(SAP) bei. SAP sind Spezialkunststoffe, die ein Vielfaches
ihres Eigengewichts an Wasser aufnehmen können. Bei einer 90
minütigen Temperaturbelastung von bis zu 1000oC zeigte
sich, dass die mit SAP angereicherten Betonplatten zwar
einige Risse zeigten, zu Abplatzungen kam es aber nur
bei SAP-freien Betonplatten.
Das SAP saugt
sich während der Betonproduktion mit Wasser voll und
schwillt um ein Mehrfaches des Trockenvolumens an. Beim
Aushärten des Betons wird dem SAP das Wasser durch den Sog
der kapillaren Poren im Zementstein wieder entzogen; die SAP
schrumpfen, ein Hohlraum entsteht. Er verbindet die
voneinander getrennten PP-Fasern. Ein Netz von SAP und
PP-Fasern verästelt sich im Bauteil, sodass dieses der Hitze
eines Feuers lange genug widersteht und das Bauwerk stabil
bleibt.
Foto: Empa - Polymere machen Beton
feuerfest. Bildmitte: Ohne Polymer platzen Teile im
Brandfalle ab. Unten: Der Träger verfärbt sich, zeigt aber
keine Abplatzung.
03.02.2016
KK