Chicoréeabfall als Kunststoffrohstoff Dienstag, 16.02.2016
Qualitätsprodukte aus Abfall: Wissenschaftler gewinnen Basis-Chemikalien für Chemie-Industrie aus Wurzelrübe des Chicorée
Rund 800.000 Tonnen Chicorée-Wurzelrüben fallen jährlich
europaweit bei der Produktion von Chicorée-Salat als
Abfallprodukt an. Die Wurzelrüben werden bisher nach der
Ernte des Chicorée-Salats auf der Kompostierungsanlage oder
in der Biogasanlage entsorgt. Wissenschaftler der
Universität Hohenheim entwickelten nun ein Verfahren, aus
diesen Wurzelrüben Hydroxymethylfurfural (HMF) zu
gewinnen, einer der Basisstoffe in der Kunststoffindustrie
von morgen.
Die zweijährige Chicorée-Pflanze
verbringt nur die ersten fünf Monate auf dem Acker. Mitte
Oktober werden die Blätter abgemulcht, die Wurzelrüben
geerntet, kühl gelagert und dann in Treibräume gebracht, wo
aus der Wurzelrübe neue Blattknospen austreiben, die als
Chicorée-Salat geerntet werden. Die Wurzelrübe kann nur
einmal für den Treibprozess genutzt werden. Etwa 30 %
bleiben als nicht-essbarer Rübenanteil übrig Erhitzt
man diesen Restbestandteil in Druckbehältern mit verdünnter
Säure bis zu 200 Grad C, so erhält man nach weiteren
Aufarbeitungsschritten ein gelb bis braun gefärbtes
kristallines Pulver aus ungereinigtem Hydroxymethylfurfural
(HMF). Es ist eine von 12 Basischemikalien, die zukünftig in
der Kunststoffindustrie verwendet werden. Es dient als
Ausgangsstoff für Nylon, Perlon, Polyester oder
Kunststoffflaschen – sogenannten PEF-Flaschen im Gegensatz
zu den PET-Flaschen. In einem früheren Forschungsprojekt
gelang es, HMF aus Fructose zu gewinnen. Fructose kann
jedoch –anders als die Reste aus der Chicorée-Salat
Gewinnung- auch für die Ernährung genutzt werden.
Aus
ca. 220.000 Wurzelrüben pro Hektar können theoretisch 8,14
Tonnen Inulin gewonnen werden. Das kann nach aktuellem
Forschungsstand zu 2,87 Tonnen HMF umgewandelt werden.
Foto: Uni Hohenheim - Von der
Chicorée-Wurzel zum Nylonstrumpf
16.02.2016
KK