PET - abbauende Bakterien Montag, 21.03.2016
Den ersten bekannten Mikroorganismus, der in der Lage ist, den Kunststoff Polyethylenterephthalat (PET) abzubauen und komplett stofflich zu verwerten, beschreibt ein Forschungsteam aus Japan in der Zeitschrift „Science".
Die Bedeutung dieser Entdeckung wurde von Prof. Dr. Uwe
Bornscheuer (Universität Greifswald) als bahnbrechend
gewürdigt und eingeordnet. Jährlich werden über 300
Millionen Tonnen Kunststoff weltweit produziert, darunter
etwa 50 Millionen Tonnen PET. Hergestellt wird PET aus
Erdöl. Diese Kunststoffart wird vor allem für
Getränkeflaschen verwendet. Nur ein geringer Anteil davon
wird später tatsächlich recycelt.
Das japanische Forscherteam hat in Proben aus einer
Recyclingstation für PET-Flaschen ein bislang einzigartiges
Bakterium (Ideonella sakaiensis) in einem Konsortium
mehrerer Mikroorganismen identifiziert, das in der Lage ist,
PET zu „knacken“. Das Bakterium heftet sich an
PET-Oberflächen an und schleust zunächst ein
hochspezifisches Enzym (PETase) aus, das die chemischen
Bindungen im Kunststoff aufbricht. Die Abbauprodukte werden
dann vom Mikroorganismus aufgenommen und von einem zweiten
selektiven Enzym (MHETase) in der Zelle in die Monomere
Ethylenglykol und Terephthalsäure gespalten. Diese
Grundbaustoffe von PET können nun von
Ideonella sakaiensis komplett verstoffwechselt werden
und dienen folglich als alleinige Wachstumsquelle des
Mikroorganismus.
Bislang waren nur ganz wenige Enzyme bekannt, die überhaupt und auch nur eine sehr geringe Aktivität im Abbau von PET zeigen. Bei Kenntnis der beteiligten Enzyme erscheint es grundsätzlich möglich, Verfahren zu entwickeln, um das Monomer Terephthalsäure zu isolieren und für die Synthese von PET wieder einzusetzen.
Weitere Informationen finden Sie hier.
Grafik: Uwe Bornscheuer, Uni Greifswald - Wie
Bakterien PET abbauen.
21.3.2016
AK