Gesteigerte Kapazität von Lithium-Ionen Akkus Freitag, 02.09.2016
Lithium-Ionen-Akkus könnten ihre Kapazität um das Sechsfache erhöhen, wenn ihre Anode statt aus Graphit aus Silizium bestünde.
Arbeiten am Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien
und Energie (HZB-Institut) haben gezeigt, dass schon extrem
dünne Silizium-Schichten ausreichen, um die theoretisch
mögliche Kapazität des Akkus zu realisieren. Mit
Neutronenmessungen konnten die Forscher zeigen, dass beim
Aufladen die Lithium-Ionen nicht tief in das Silizium
eindringen, sondern sich vor allem in der unmittelbaren
Grenzschicht einlagern: So entsteht eine nur 20 Nanometer
dünne Schicht, die extrem viel Lithium enthält. Damit würden
schon extrem dünne Silizium-Schichten ausreichen, um eine
maximale Beladung mit Lithium zu ermöglichen.
Derzeit verwendete Elektroden aus Graphitschichten können
nur eine begrenzte Anzahl von Lithium-Ionen einlagern, so
dass sich die Kapazität der aktuellen Lithium-Ionen-Akkus
kaum weiter steigern lässt. Daher sind Halbleitermaterialien
wie Silizium als Alternative zum Graphit im Gespräch.
Silizium ist in der Lage, enorme Mengen an Lithium
aufzunehmen. Allerdings zerstört das Einwandern der
Lithium-Ionen die Kristallstruktur des Siliziums. Dabei kann
das Volumen auf das Dreifache anschwellen, was zu großen
mechanischen Spannungen führt.
Beim Be- und Entladen fanden die Forscher zwei
unterschiedliche Zonen. Nahe der Grenzfläche zum
Elektrolyten bildet sich eine etwa 20 Nanometer dünne
Schicht mit extrem hohem Lithium-Gehalt: Auf zehn Silizium-
kommen 25 Lithium-Atome. Daran schließt sich eine zweite
lithiumärmere Schicht an. Hier kommt auf zehn Silizium-Atome
nur noch ein Lithium-Atom. Beide Schichten zusammen sind
nach dem zweiten Ladezyklus weniger als 100 Nanometer dick.
Nach dem Entladen bleibt in der Silizium-Grenzschicht zum Elektrolyten etwa ein Lithium-Ion pro Silizium-Platz in der Elektrode zurück. Damit kann man die theoretisch maximale Kapazität solcher Silizium-Lithium-Batterien auf etwa 2300 Milliamperestunden/Gramm berechnen. Das ist mehr als das Sechsfache der theoretisch maximal erreichbaren Kapazität bei einem Lithium-Ionen-Akku, der mit Graphit arbeitet (372 mAh/g).
Bild: HZB - Lithium-Ionen Akku mit Silizium Anode. Im Lauf der Beladung bildet sich eine 20 Nanometer dünne Schicht (rot) in der Silizium-Elektrode, die extrem viele Lithium-Atome aufnimmt.
2.9.16
AK