Epoxidharz-Blitzaushärtung Montag, 10.10.2016
Ein neuartiges Verfahren zur Härtung von Epoxidharzen wurde an der TU-Wien entwickelt: Lokal platzierte UV-Blitze lösen eine chemische Kaskade aus und härten das ganze Material.
Die neue Spezialharzformulierung verfestigt sich in
Sekundenschnelle. Dieser Effekt breitet sich immer weiter
aus, nach Sekunden oder wenigen Minuten ist das gesamte Harz
fest, ganz egal in welche Form es vorher gebracht wurde. Man
spricht von einer sogenannten Frontalpolymerisation. Die
Reaktion lässt sich an jedem beliebigen Punkt des Materials
in Gang setzen und breitet sich von selbst aus.
Anwendungsmöglichkeiten reichen von Reparaturkits für
Autokarosserien, über Formteile für die Luft- und Raumfahrt
oder Windkraftwerke bis hin zu High-Tech-Elektronik.
Es
gibt verschiedene Möglichkeiten, Epoxidharze auszuhärten:
Die Wärmehärtung erfordert Heizöfen, die bei sehr großen
Formteilen wie Rotorblättern von Windkraftanlagen sehr
aufwendig ist. Andere Harzsysteme bestehen aus zwei
verschiedenen hochreaktiven Komponenten, die vor ihrer
Verwendung im richtigen Verhältnis gemischt werden müssen
und dann in kurzer Zeit von alleine hart werden. Eine
weitere Methode ist die Härtung mit UV-Licht. Allerdings
kann das UV-Licht nicht besonders tief in das Material
eindringen, man stellt bisher mit dieser Methode also in
erster Linie dünne dekorative Schichten oder Schutzschichten
her.
Bei der neuen Epoxidharzformulierung startet
UV-Licht an einem bestimmten Punkt eine chemische Reaktion.
Dabei entsteht lokal kurzfristig eine Temperatur von bis zu
200 °C. Die Wärme breitet sich aus und setzt die
Härtungsreaktion auch in den benachbarten Regionen des
Harzes in Gang. Eine chemische Kaskade wird ausgelöst, die
sich selbst am Laufen hält, so lange bis das gesamte Harz
ausgehärtet ist. Sowohl in den thermischen als auch in den
mechanischen Eigenschaften sollen Produkte mit der neuen
Rezeptur und ausgehärtet mit dem neuartigen Verfahren die
bisher eingesetzten Materialien übertreffen.
Bild:
TU Wien / Epoxidharz - in TU-Form gebracht und mit UV-Licht
ausgehärtet
10.10.2016 / KK