Der Strahl, der unsichtbar macht Dienstag, 19.09.2017
Neuer Ansatz für Tarnkappen-Technologien.
Ein Forschungsteam der
TU Wien
hat einen neuen Ansatz für Tarnkappen-Technologien
entwickelt: Ein vollständig undurchsichtiges Material wird
von oben oder unten mit einem ganz bestimmten Wellenmuster
bestrahlt – und das führt dazu, dass Lichtwellen von links
nach rechts völlig ungehindert durch das Material dringen
können. Dieses überraschende Resultat eröffnet ganz neue
Möglichkeiten für aktive Camouflage. Das Prinzip ist für
ganz unterschiedliche Arten von Wellen anwendbar – nicht nur
für Licht, sondern etwa auch für Schallwellen. Erste
Experimente dazu sind bereits in Planung.
Komplizierte Materialien wie etwa ein Stück Würfelzucker
sind undurchsichtig, weil die Lichtwellen in ihnen unzählige
Male abgelenkt und gestreut werden. Das Licht kann zwar
eindringen, aber die Lichtwelle kann sich nicht geradlinig
durch das Medium hindurchbewegen. Stattdessen wird sie
chaotisch in alle Richtungen gestreut. Seit Jahren gibt es
verschiedene Versuche, die Wellenstreuung zu überlisten und
somit eine Art „Tarnkappe“ herzustellen. So kann man etwa
aus speziellen Materialien Objekte herstellen, die bestimmte
Lichtwellen außen um sich herumleiten.
An der TU Wien versuchte man nun, das Problem auf
fundamentaler Ebene zu lösen. Die Lichtwelle soll nicht
umgeleitet oder mit Zusatz-Displays wiederhergestellt
werden, sondern die ursprüngliche Lichtwelle soll auf
geradem Weg durch das Objekt steuern, so als wäre das Objekt
gar nicht da. Der entscheidende Trick ist, dem Material
punktgenau Energie zuzuführen und an anderen Stellen
Absorption zu erlauben. Von oben wird genau das richtige
Punktmuster auf das Material gestrahlt – wie durch einen
gewöhnlichen Videoprojektor, allerdings mit sehr hoher
Auflösung. Passt dieses Muster genau zu den inneren
Unregelmäßigkeiten im Material, an denen normalerweise das
Licht gestreut wird, kann man durch das von oben zugeführte
Licht die Streuung praktisch ausschalten und ein Lichtstrahl
kann von links nach rechts völlig durch das Material
gelangen. Dabei muss jedes Objekt, das man durchsichtig
machen will, mit einem eigenen Punktmuster bestrahlen–
abhängig von der mikroskopischen Streuung in seinem Inneren.
Dass die Methode funktioniert, konnte man in
Computersimulationen bereits zeigen. Nun soll die Idee
experimentell umgesetzt werden.
Bild: TU WIen - Ein Material mit inneren Unregelmäßigkeiten streut einen einfallenden Lichtstrahl in alle Richtungen.
AK
19.09.17