Biokunststoffe in Traktoren Montag, 23.10.2017
Multifunktionsgriff aus einem glasfaserverstärkten biobasierten Kunststoff
Mit dem „Joystick“ in der Hand können sich einige
Schlepperfahrer an eine Spielkonsole erinnert fühlen und für
einen Moment die viele PS starke Maschine vergessen. Der
Griff liegt ergonomisch in der Hand und dient der
Fahrtrichtungssteuerung, dem Heben und Senken der Gabeln von
Flurförderfahrzeugen sowie dem Bedienen verschiedener
Anbaugeräte.
Die Firma elobau hat diesen
Griff bereits vor zehn Jahren konzipiert und stellt ihn
seitdem aus einem herkömmlichen, erdölbasierten PA
(Polyamid) her. Gemeinsam mit dem IfBB konnte für diese
Musteranwendung nun auch ein biobasiertes Material gefunden
werden, das allen Anforderungen an die Verarbeitung gerecht
wird. Zukünftig sollen auch weitere Bauteile wie Armlehnen
aus diesem Material produziert werden.
Mit seiner auf Nachhaltigkeit ausgerichteten
Firmenphilosophie steht der Einsatz von Biokunststoffen
schon sehr lange auf der Agenda von elobau. Allerdings waren
die ersten Erfahrungen des Prozessverantwortlichen mit
Biokunststoffen, damals noch in einem anderen Unternehmen,
keine guten. „Wir bekamen ein mit Holzspänen versetztes PP
(Polypropylen) und die Information: Bei der Verarbeitung
bleibt alles beim Alten – stimmte leider nicht. Darum war
ich auch etwas skeptisch, als meine Kollegen aus der
Entwicklungsabteilung bei elobau mit der Idee kamen, einmal
glasfaserverstärktes Bio-PA zu testen“, so Patrick Berger,
Mitarbeiter in der Arbeitsvorbereitung bei elobau.
„Allerdings bekamen wir dieses Mal professionelle
Unterstützung durch das IfBB, sowohl bei der Materialauswahl
als auch bei den ersten Abmusterungen und der Adaptierung
der Verarbeitungsparameter.“ Das Ergebnis kann sich sehen
lassen: Nachdem die Maschinenparameter auf das neue Material
angepasst wurden, lief der Prozess reibungslos. „Ein enormer
Vorteil“, meint Patrick Berger, „wir können den
Verarbeitungsprozess genauso stabil fahren wie zuvor und für
den Nutzer gibt es keinen Unterschied in der Haptik.“
Und
der Preis? „Der Geschäftsführung ist es wichtig, mit der
Zeit zu gehen, obwohl allen klar ist, dass die neuen
Materialien und damit auch das neue Produkt etwas teurer
sein werden, zumindest anfänglich, bis die Produktionszahlen
steigen, dann gleichen sich die Material- und
Produktionskosten sicher auch wieder den derzeitigen Kosten
an“, so Herr Berger.
Bild: IfBB Hannover
AK
17.10.17