Kleben ohne Klebstoff Mittwoch, 21.03.2018
Neues Verfahren zum Fügen von Materialien mit unterschiedlichen Eigenschaften.
Das
Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS
Dresden
hat ein neues Verfahren zum Fügen von Materialien mit
unterschiedlichen Eigenschaften entwickelt. Das thermische
Direktfügen verpresst laserstrukturiertes Metall mit
thermoplastischen Bauteilen und erwärmt diese lokal. Dadurch
schmilzt der Thermoplast, dringt in die Strukturen ein und
haftet an der Oberfläche. Eine eigens entwickelte Fügezange
erzeugt binnen Sekunden robuste Verbindungen. Das Verfahren
»HeatPressCool-Integrative« (HPCI) eignet sich, um
aufwändige Klebeprozesse zu ersetzen.
Deshalb
entwickelten die IWS-Forscher einen Laserabtragprozess, der
Strukturtiefen von 100 Mikrometern und mehr bei Flächenraten
von bis zu 30 Quadratzentimetern pro Sekunde erzeugt. Eine
Remote- beziehungsweise Scanneroptik fokussiert den
kontinuierlich strahlenden Leistungslaser auf das Metall und
lenkt ihn dabei schnell ab. Das reinigt die Oberfläche von
anhaftenden Ölen oder Verschmutzungen in der Grenzschicht.
Gleichzeitig kann der später eindringende Kunststoff die
Strukturen ausfüllen, sodass ein Formschluss zwischen
Kunststoff und Metall entsteht. Somit entfällt die
Notwendigkeit, die Oberfläche mit Lösungsmitteln oder
Beizbädern chemisch zu reinigen.
Der
vorstrukturierte metallische Fügepartner wird mit dem
Kunststoff verpresst. Gleichzeitig wird das Metall an der
Fügestelle erwärmt und der Thermoplast partiell
aufgeschmolzen. Um dieses Verfahren für den industriellen
Einsatz fit zu machen, entwickelten die Wissenschaftler eine
modular aufgebaute Fügezange mit Lasererwärmung, die sich an
einem Roboterarm montieren lässt.
Der Einsatz einer zweidimensionalen Laserstrahloszillation ermöglicht eine extrem schnelle Bewegung und Steuerung des Strahles. Diese erlaubt es, das Temperaturfeld dynamisch anzupassen, um die spezifischen Wärmeableitungsbedingungen der Fügeteile zu kompensieren.Die Grundsatzstudie erwies, dass sich das thermische Direktfügen für Multimaterial- und Bauteilkonstruktionen eignet, insbesondere aufgrund geringer Prozesszeiten, robuster Prozessführung sowie guter Automatisierbarkeit.
Foto: Fraunhofer IWS Dresden - Fügezange zum Kleben ohne Klebstoff
AK
21.3.18