Hochschulforschung gestärkt Mittwoch, 22.03.2017
Hochmoderne Technikhalle für Biokunststoffe in Ahlem eingeweiht
„Mit der Technikhalle am Campus Ahlem stärken wir die
anwendungsorientierte Forschung an der Hochschule Hannover –
und das auf einem Gebiet, das einen Megatrend darstellt.“
Mit diesen Worten begrüßte der Präsident der Hochschule
Hannover (HsH) Josef von Helden heute anlässlich der
Einweihungsveranstaltung die Besucherinnen und Besucher in
der neuen Halle. Hier wird vor allem die Forschung im
Bereich Biokunststoffe und Bioverbundwerkstoffe weiter
ausgebaut.
„Sie ist aber auch ein gutes
Beispiel dafür, wie Projekte in Zusammenarbeit zum Erfolg
geführt werden können. In diesem Fall ist es die
Zusammenarbeit mit der Fraunhofer-Gesellschaft. Es ist aber
auch die Unterstützung des Landes Niedersachsen, das bereit
war, das Grundstück zu kaufen, auf dem diese Halle jetzt
steht.“ Damit wandte er sich vor rund 150 geladenen Gästen
aus Politik, Industrie und Wissenschaft an die
niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur
Gabriele Heinen-Kljajić, die in ihrem Grußwort
bestätigte:
„Forschung im Bereich der
nachwachsenden Rohstoffe gewinnt insbesondere im Rahmen des
Klimaschutzes zunehmend an Bedeutung. Mit der neuen
Technikumshalle stärkt die Hochschule Hannover diese
nachhaltige Forschung. Dabei ist der Neubau auch ein
wichtiger Baustein auf dem zukünftigen Weg der
Zusammenarbeit der Hochschule mit ihren Partnern.“
Seit 2012 gibt es das Anwendungszentrum für
Holzfaserforschung HOFZET des Fraunhofer-Institut für
Holzforschung, Wilhelm-Klauditz Institut, WKI in
Braunschweig am Campus Ahlem. Die enge Verflechtung des
HsH-Instituts für Biokunststoffe und Bioverbundwerkstoffe –
dem IfBB – mit der Fraunhofer-Gesellschaft ist auch daran zu
erkennen, dass der HsH-Professor Dr.-Ing. Hans-Josef Endres
beide Institute leitet: das IfBB und das HOFZET. Er ist seit
kurzem auch kooptierter Professor an der TU Braunschweig.
„Die neue Technikhalle ist ein Meilenstein, der Forschung
und Zusammenarbeit der Institutionen sehr schön sichtbar
macht,“ sagte Hans-Josef Endres.
Der Bau der
Technikhalle begann im Dezember 2015. Die Innenausstattung
mit Maschinen erfolgte kooperativ zwischen HsH und
Fraunhofer. Des Weiteren wurden Mittel aus dem Europäischen
Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) sowie Mittel des
Landes Niedersachsen eingesetzt. Insgesamt ergibt sich
daraus ein Investitionsvolumen von ungefähr 15 Millionen
Euro.
Die Technikhalle ist mit hochmodernen
Maschinen zur Herstellung und Verarbeitung von
Biokunststoffen und Bioverbundwerkstoffen ausgestattet. Mit
der technischen Infrastruktur kann die gesamte
Wertschöpfungskette vom Rohstoff über den maßgeschneiderten
Werkstoff bis hin zum fertigen Bauteil durchlaufen und
optimiert werden. Unter anderem wurde eine
Zweikomponenten-Spritzgießmaschine angeschafft, mit der es
möglich ist, zwei verschiedene Kunststoffe und Naturfasern
in einem Arbeitsgang in einem Bauteil zu kombinieren. Ein
spezieller Industrieroboter sorgt für die automatische
Entnahme von Bauteilen oder das Einlegen von Organoblechen,
das heißt von thermoplastisch zu verarbeitenden
langfaserverstärkten Verbundwerkstoffen.
„Ich
freue mich sehr über die neuen Möglichkeiten, an der
Hochschule Hannover die Forschungsarbeiten technisch auf
einem noch höheren Niveau weiter voranzutreiben. Im Hinblick
auf eine zukunftsweisende Mobilität möchten wir
ressourceneffiziente Bauteile aus hybriden
Leichtbauwerkstoffen entwickeln, indem wir hoch belastbare
aber ökologisch problematischen Carbonfasern nur an den hoch
beanspruchten Stellen im Bauteil positionieren und sie in
allen anderen Bereichen durch ökologisch vorteilhafte
Naturfasern ersetzen“, so Hans-Josef Endres.
Prof.
Dr.-Ing. Bohumil Kasal, Leiter des Fraunhofer WKI, führte
ergänzend aus: „Mit dem Anwendungszentrum HOFZET stärken wir
diese Grundlagenforschung der Hochschule Hannover durch
anwendungsorientierte Forschung und Umsetzung in die
industrielle Praxis. Die nachhaltige Nutzung von
nachwachsenden Rohstoffen ist seit Jahrzehnten die
Kernkompetenz des Fraunhofer WKI in Braunschweig. Wir
kombinieren die positiven Eigenschaften unterschiedlicher
Materialien, um hoch funktionale, wirtschaftliche und
nachhaltige neue Produkte zu schaffen, die gleichzeitig
einen geringen ökologischen Fußabdruck aufweisen“.
Abschließend
hob HsH-Präsident Josef von Helden die Bedeutung der
Fachhochschulen als wesentliche Garanten für die
Innovationskraft in Deutschland hervor. In
zukunftsrelevanten Feldern hätten Fachhochschulen eine
besondere Verantwortung. So absolvierten beispielsweise in
den Ingenieurwissenschaften etwa zwei Drittel aller
Absolventinnen und Absolventen ihr Studium an einer
Fachhochschule, in der Betriebswirtschaftslehre sind es 50
Prozent und in den Pflegewissenschaften ungefähr 80
Prozent.
Besonders der Transfer von
wissenschaftlichen Erkenntnissen in konkrete Anwendungen sei
ein wichtiger Beitrag zur Stärkung von Gesellschaft und
Wirtschaft in Deutschland. Zugleich bereicherten die
anwendungsorientierten Forschungs- und Transferaktivitäten
die Lehre durch hohe Qualität und Aktualität und vice versa
und steigerten damit die Berufsbefähigung der Absolventinnen
und Absolventen.
Bild: v.l.n.r.: Hochschule Hannover / Jörg Sambleben -
Prof. Dr.-Ing. Bohumil Kasal (Fraunhofer WKI), Prof.
Dr.-Ing. Hans-Josef Endres (IfBB/HOFZET), Ministerin für
Wissenschaft und Kultur Dr. Gabriele Heinen-Kljajić;
HsH-Präsident Prof. Dr. Josef von Helden
AK
19.3.17