Entwurf einer Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie

Das Bundesumweltministerium (BMUV) hat am 18. Juni 2024 den Entwurf der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) vorgelegt.

Der Entwurf kann jetzt kommentiert werden. Die Bundesministerien müssen diesen Entwurf noch abstimmen. Die ersten Bewertungen aus der Wirtschaft fallen unterschiedlich aus. Es bleibt zu hoffen, dass der Bundeswirtschaftsminister sich der Kreislaufwirtschaft annimmt und ein paar relevante Belange noch ergänzt. So sollte klar gestellt werden, dass bei aller Notwendigkeit Daten in den Wertschöpfungskreisen weiterzureichen, Wirtschaften nur mit Know-How-Schutz funktioniert.

Diverse Abfallströme werden beleuchtet. Wie das Bundesumweltministerium (BMUV) die Zukunft der Kreislaufwirtschaft u.a. im Kunststoff sieht, wird konkret ausgeführt in Kapitel 4.10.3:

Im Jahr 2045 werden Kunststoffe dort eingesetzt, wo sie einen positiven Netto-Nutzen auf die Nachhaltigkeitsziele haben – so effizient wie möglich, auf einer weitestgehend fossilfreien Rohstoffbasis und in geschlossenen schadstoffarmen Stoffkreisläufen. Die oberste Priorität gilt dabei der Vermeidung von Kunststoffabfällen, ohne dabei auf alternative Materialien zurückzugreifen, die noch höhere CO₂-Emissionen oder Ressourcenverbräuche mit sich bringen. Notwendig dafür ist eine transparente (internationale) Wertschöpfungskette von der Herstellung bis zum Ende der Nutzungsphase. Bei der Kunststoffherstellung ist es zentral, die Rohstoffbasis mit dem Ziel der Klimaneutralität 2045 zu defossilisieren. Dabei wird sich die Kunststoffindustrie vom reinen Erzeuger hin zu einem Zirkularitätsdienstleister von Kohlenstoffen entwickeln. Zirkulär wird auch das Design von Kunststoffprodukten gestaltet werden. Hersteller werden ihre gesamte Produktpalette auf ein konsequentes Design for Recycling überprüfen. Auf besonders besorgniserregende Stoffe wird verzichtet. Dafür werden Wirtschaftsakteure im Umgang mit mittlerweile regulierten Schadstoffen aus langlebigen Kunststoffprodukten, die nach teilweise jahrzehntelanger Nutzung als Abfall anfallen, gezielt unterstützt.

Bewusstseinswandel in der Gesellschaft ist etabliert, womit Kaufentscheidungen informiert und nachhaltig erfolgen. Wo es möglich ist, werden Produkte wiederverwendet, Kunststoffabfälle werden generell als Rohstoffe angesehen. Auf Material- und Produktebene werden Forschung und Entwicklung vorangetrieben, um technisch mögliche Vermeidungspotentiale effizient umzusetzen.

Als Ziele werden genannt:

  • Weiterentwicklung von Rezyklateinsatzquoten produktbezogen ebenso wie polymerspezifisch
  • Maßnahmen zur Steigerung der Sortier- und Recyclingkapazität sowie der Abbau von Hemmnissen

Folgende Maßnahmen werden genannt und konkretisiert (Kapitel 4.10.4):

  • Begrenzung der Materialvielfalt bei Kunststoffen
  • produktbezogene Mindestrezyklatanteile aus Post Consumer Rezyklat (PCR) kombiniert mit notwendig stringenten Qualitätskontrollen importierter Kunststoffrezyklate
  • polymerspezifische Substitutionsquoten
  • Einführung einer Einspeisevergütung ggfs. nach dem Modell der „Carbon Contracts of Difference“ an die Einsparung von Treibhausgasen durch die Verwendung von Rezyklaten gegenüber der Neuproduktion von Kunststoff gekoppelt
  • Abbau von Hemmnissen für den Rezyklateinsatz durch Normung
  • Optimiertes Recycling von Kunststoffen
  • Forschungsförderung

Details zur Forschungsförderung – u.a.

  • Etablierung eines bundesweiten F+E-Forschungsschwerpunkts Rezyklate insbesondere zu: Recyclingtechnik für große Mengenströme; Qualitätsstandards; dem Einfluss von Additiven auf die werkstoffliche Recyclingfähigkeit von Kunststoffen und der Entwicklung geeigneter Verfahren zur De-Additivierung von Kunststoffen; standardisierten Nachweisverfahren für PCR in Produkten; digitalen Technologien etwa bei Compoundierung und Materialprüfung; KI-Anwendungen zur Optimierung der Stoffströme
  • Entwicklungen im Bereich der Kunststoffrecyclingtechnologien: in verschiedenen Einsatzbereichen vorhandenen Kunststoffquantitäten und -qualitäten, insbesondere für Produktkategorien mit unzureichender Datenlage für Zirkularität; Kennzahlen und Indikatoren zur Bestimmung der Kreislauffähigkeit von Kunststoffen; den technologischen, ökonomischen und ökologischen Eigenschaften verschiedener Kunststoffrecyclingtechnologien des werkstofflichen Recyclings, enzymbasierter Verfahren und chemischer Zerlegungsverfahren; Umgang mit Verbundmaterialien, dort wo der Einsatz von nicht verbundenen Materialien nicht möglich ist.
  • Einsatz und Umgang mit Flammschutzmitteln in Abfällen technischer Kunststoffe aus Elektro- und Elektronikgeräten sowie dem Automobilbau und dem Baubereich
  • Potentiale und Grenzen sowie Umgang mit Biopolymeren
  • Daten, Methoden, Indikatorik zur ökologischen Bewertung von Sortier- und Recyclingtechnologien

PlasticsEurope Stellungnahme 19. Juni 2024 

Gesamtverband Kunststoffverarbeitende Industrie e.V. Stellungnahme 18. Juni 2024 

Germanwatch vom 18. Juni 2024

 

AK
28.6.24