Carbon Capture and Storage (CCS) für den Industriestandort – jetzt!

VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup fordert vor der ersten Lesung im Bundestag eine schnelle Umsetzung des Kohlendioxid-Speicherungsgesetz (KSpG).

Über das Kohlendioxid-Speicherungsgesetz werde schon viel zu lange diskutiert. Das parlamentarische Verfahren müsse jetzt zügig zum Abschluss gebracht werden. Es müsse jedem klar sein: Der Standort Deutschland stehe am Scheideweg. Der Industrie stehe das Wasser bis zum Hals und man leiste sich, elementare Technologien zum Klimaschutz im politischen Klein-Klein zu blockieren.

Was der Weltklimarat IPCC betont, müsse doch auch für die deutsche Politik Richtschnur sein: Die Klimaziele sind nur noch mit Abscheiden und Speichern von CO₂ (CCS) erreichbar.Auch die Chemie benötige diese Technologie zur Emissionsreduktion.

Darüber hinaus könne man zukünftig mit der stofflichen Nutzung von CO₂ (CCU) einen Teil der fossilen Rohstoffbasis ersetzen.

VCI-Pressemitteilung vom 09.09.25

Carbon Capture and Storage (CCS) gilt weltweit als Schlüsseltechnologie für die Dekarbonisierung industrieller Prozesse. In Sektoren wie der Zement- und Kalkproduktion, der chemischen Industrie oder der Abfallverwertung entstehen Emissionen, die sich technisch derzeit nicht vermeiden lassen. CCS ermöglicht es, CO₂ an der Quelle abzuscheiden und langfristig zu speichern – und damit einen Beitrag zur Klimaneutralität zu leisten. Zudem ermöglicht es perspektivisch Negativemissionen, die notwendig werden, um Restemissionen z. B. in der Landwirtschaft auszugleichen. CCS tritt damit neben die notwendige Vermeidung von CO2-Emissionen als weiteres Element einer Strategie zur Treibhausgasreduktion.

Mit dem jetzt eingebrachten Gesetzentwurf zur Novelle des Kohlendioxid-Speicherungsgesetzes (KSpG) hat die Bundesregierung einen konkreten Schritt hin zu einer rechtlichen Öffnung von CO₂-Speicherung unternommen. Die Verabschiedung des Gesetzes wird noch im Laufe dieses Jahres erwartet.

Eine zentrale Notwendigkeit darüber hinaus ist Infrastruktur für CCS. Für den Aufbau einer CO₂-Wirtschaft sind Transport- und Speicherlösungen unerlässlich. Projekte wie der Delta-Rhine-Corridor zwischen Deutschland und den Niederlanden können zeigen, wie sich eine europäische CO₂-Infrastruktur frühzeitig koordinieren lässt.

Andere Länder treiben den Ausbau voran: In Dänemark wurde erstmals eine Lizenz für die CO₂-Speicherung an Land vergeben – ein Projekt von INEOS, Wintershall Dea und Nordsøfonden, das nationale Speicherkapazitäten erschließen soll. Die Onshore-Speicherung gilt dabei als kostengünstiger als Offshore-Optionen. Gemeinsam mit Projekten wie Northern Lights (Norwegen), Porthos und Aramis (Niederlande) sowie Polaris (Kanada) unterstreicht dies das technische Potenzial von CCS – vorausgesetzt, die politischen Rahmenbedingungen stimmen. Ein europäisch abgestimmter Infrastrukturausbau ist laut der Weltenergierat-Publikation „Energie für Deutschland 2025 eine Voraussetzung für den Erfolg von CCS

Aktuelle Zahlen zeigen das dynamische Wachstum: Weltweit sind derzeit über 65 CO₂-Abscheideanlagen in Betrieb, davon 33 in den USA. Laut einer Analyse des Beratungsunternehmens Det Norske Veritas (DNV) könnten zur Jahrhundertmitte global bis zu 1.300 Millionen Tonnen CO₂ jährlich mittels CCS abgeschieden werden – das entspricht rund 6 % der prognostizierten Emissionen im Jahr 2050. Die Investitionen in CCS-Anlagen sollen in den kommenden fünf Jahren auf ca. 80 Milliarden U.S.-Dollar ansteigen. Inwieweit die USA ihre Vorreiterrolle im Bereich CCS weiter ausbauen können, bleibt aktuell offen: Zwar bleiben die Steuergutschriften für CO₂-Abscheidung und -Speicherung im kürzlich verabschiedeten One Big Beautiful Bill Act erhalten, jedoch droht die Pflicht zur Nutzung von CCS bei bestehenden Kohlekraftwerken und neuen Gaskraftwerken ab 2032 gestrichen zu werden.

 

AK
15.9.25