Im In Brief 16/2026 „Das Circular Economy Information Ecosystem: Erfolgsvoraussetzung und Innovationstreiber für die digitale Kreislaufwirtschaft“ skizzieren Prof. Dr.-Ing. Stephan Ramesohl und Dr. Holger Berg aus dem Forschungsbereich Digitale Transformation am Wuppertal Institut, welche digitalen Grundlagen für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft notwendig sind.
Insbesondere zurzeit gebe der Übergang auf eine Kreislaufwirtschaft die geeignete Antwort auf die verstärkten geopolitischen Spannungen und steigende Rohstoffabhängigkeiten, die die Rahmenbedingungen für Wirtschaft und Industrie zunehmend bestimmen. Geschlossene Kreisläufe würden helfen, Lieferketten resilienter zu gestalten.
Ohne Digitalisierung werde dieser Wandel nicht gelingen. Damit Kreislaufwirtschaft in der Praxis funktioniert, müssten Unternehmen, Behörden und weitere Akteure künftig Daten besser austauschen und nutzen können.
Digitale Technologien eröffneten neue Möglichkeiten, Ressourcen effizienter zu nutzen und Stoffkreisläufe zu schließen. Über Anwendungen von Künstlicher Intelligenz (KI) in der Industrie könnten Produktionsprozesse optimiert und neue Geschäftsmodelle entwickelt werden.
Zentral für diese Entwicklung sei das sogenannte Circular Economy Information Ecosystem (CEIS). Es beschreibe die Gesamtheit aller digitalen Technologien, Infrastrukturen, Prozesse und Akteure, die für eine datenbasierte Kreislaufwirtschaft notwendig sind – einschließlich der dafür erforderlichen Standards, Regeln und Koordinationsmechanismen.
Ein funktionierendes CEIS könne nicht nur die Kreislaufwirtschaft voranbringen, sondern auch neue Impulse für Wirtschaft und Verwaltung setzen. Sein Aufbau erfordere koordinierte Anstrengungen über mehrere Jahre hinweg. Entscheidend sei, die bestehende Innovationsdynamik zu nutzen und gezielt weiterzuentwickeln. Im Mittelpunkt stünden dabei unter anderem:
- Entwicklung und Skalierung praxistauglicher Anwendungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette
- Aufbau branchenbezogener Datenökosysteme
- Weiterentwicklung von Standards und internationale Abstimmung
- Stärkung von Kompetenzen in Wirtschaft und öffentlicher Verwaltung
- bessere Vernetzung bestehender Initiativen und Pilotprojekte
CEIS solle dezentral organisiert sein, einen souveränen und rollenbasierten Datenaustausch ermöglichen, auf interoperablen Formaten (gemeinsam festgelegte technische Regeln für nahtlose Interaktion) basieren und technologieoffen sowie unabhängig von einzelnen Plattformen funktionieren.
Ein weiterer wichtiger Baustein sei dabei der Digitale Produktpass, der im Rahmen der europäischen Ökodesign-Verordnung eingeführt wird. Er soll künftig Informationen zu Materialien, Reparierbarkeit oder Umweltwirkungen von Produkten bereitstellen und damit eine zentrale Datenbasis für die Kreislaufwirtschaft schaffen.
- Pressemitteilung vom Wuppertal Institut vom 15.04.2026
- Ramesohl, S., Berg, H. (2026). Das Circular Economy Information Ecosystem: Erfolgsvoraussetzung und Innovationstreiber für die digitale Kreislaufwirtschaft (In Brief Nr. 16/2026). Wuppertal Institut.
Bild: Fraunhofer
AK
26.4.26

