traceless®-Material soll Kunststoff ersetzen

Die traceless materials GmbH ist für den Deutschen Zukunftspreis 2025 nominiert. Das Hamburger Unternehmen will mit seinem innovativen Material Kunststoffe im großen Maßstab ersetzen, ohne auf Komfort oder Funktionalität zu verzichten.

Die Verbindung von technologischem Fortschritt und gesellschaftlichem Nutzen steht im Zentrum des Deutschen Zukunftspreises, eine der renommiertesten Wissenschafts- und Innovationsauszeichnungen Deutschlands. Er zeichnet Projekte aus, die wissenschaftliche Exzellenz mit klar erkennbaren Vorteilen für Gesellschaft, Umwelt und Wirtschaft verbinden. Die Nominierten tragen maßgeblich dazu bei, die Zukunft des Innovationsstandorts Deutschland mitzugestalten, wirtschaftliches Potenzial zu erschließen und dies verhilft letztlich auch bei der Schaffung neuer Arbeitsplätze. Die Preisverleihung wird am 19. November 2025 in Berlin stattfinden.

VOM START-UP ZUM SCALE-UP

Seit seiner Gründung 2020 hat sich traceless® von einem Forschungsteam zu einem 100-köpfigen Scale-up entwickelt, das nun den Markteintritt im großen Maßstab vorbereitet. Mit dem geplanten kommerziellen Produktionsstart Ende dieses Jahres will das Unternehmen jährlich mehrere tausend Tonnen Material liefern und damit die wachsende Nachfrage nach nachhaltigen Materialien in Europa bedienen. traceless® arbeitet mit Partnern wie Mondi und OTTO zusammen.

„Die Nominierung für den Deutschen Zukunftspreis ist für uns eine große Ehre – und zugleich eine Bestätigung, dass wir mit unserer Arbeit auf dem richtigen Weg sind“, sagt Dr.-Ing. Anne Lamp, CEO & Co-Founder von traceless®. „Mit traceless® zeigen wir, dass Hightech und Natur Hand in Hand gehen können – und dass nachhaltige Innovationen skalierbar und wirtschaftlich tragfähig sind.“

INNOVATION GEGEN PLASTIKVERSCHMUTZUNG

Weltweit würden nur etwa neun Prozent aller Kunststoffe recycelt. Rund ein Viertel des anfallenden Plastikmülls gelange in die Umwelt, zerfall dort zu Mikroplastik und lasse sich inzwischen sowohl in Ökosystemen als auch im menschlichen Körper nachweisen. Der Grund: Kunststoffe – wie auch Biokunststoffe – würden auf synthetischen Polymeren basieren, die nicht in der Natur vorkommen. Mikroorganismen verfügten nicht über Enzyme, die diese Strukturen abbauen können. Statt biologisch zu zerfallen, würden sie als Mikroplastik in der Umwelt bestehen bleiben.

Die Natur hingegen setze seit jeher auf Polymere: Pflanzen, Tiere und Mikroorganismen nutzen natürliche Polymere wie Stärke, Zellulose oder Proteine. Diese könnten von Mikroorganismen wieder abgebaut und in den natürlichen Kreislauf zurückgeführt werden. In ihrer ursprünglichen Form seien sie jedoch spröde, wasserlöslich und nicht thermoplastisch – und damit ungeeignet für technische Anwendungen, für die Formbares und Haltbares wie Plastik benötigt werde.

traceless® habe es sich zur Aufgabe gemacht, diese Lücke zu schließen. Mit seinem patentierten Verfahren gewinne das Unternehmen natürliche Polymere aus landwirtschaftlichen Reststoffen, funktionalisiere sie und verarbeite sie zu Granulat. Die Strukturen würden damit so angeordnet, dass sie thermoplastische Eigenschaften erhalten – so könne traceless® als erstes Unternehmen plastikfreie Thermoplaste auf den Markt bringen. Dieses Verfahren sei ressourcenschonend und energieeffizient, es spart bis zu 90 Prozent CO₂-Emissionen im Vergleich zu Herstellung und Entsorgung von herkömmlichen Kunststoffen.

Die entstehenden Granulate, traceless®-Materialien, seien biobasiert, plastikfrei und heimkompostierbar. Sie liessen sich auf Standardmaschinen der Kunststoffverarbeitung einsetzen – etwa als Beschichtungen auf Papier, im Spritzguss zu festen Bauteilen oder per Extrusion zu Folien. Die Endprodukte vereinten die funktionalen Eigenschaften von Kunststoffen – Schutz vor Fett und Wasser, Barriereeigenschaften, Dicht- und Siegelfähigkeit sowie Haftung auf Papier – jedoch ohne die Nachteile konventioneller Kunststoffe. Besonders geeignet seien sie für Anwendungen, die sich nur schwer recyceln beziehungsweise wiederverwenden lassen oder häufig in die Umwelt gelangen.

ÜBER TRACELESS MATERIALS GMBH

Das Bioökonomie-Scale-up traceless materials GmbH produziert das Naturmaterial traceless® aus Reststoffen der Agrarindustrie und gehört damit zu den Pionieren im Bereich innovativer Naturpolymere. Das Team um CEO Dr. Anne Lamp, COO Sina Spingler und CFO Jakob Röskamp beabsichtigt, das ressourcenschonende Verfahren schnell auf industriellen Maßstab hochzuskalieren. Erste Pilotprodukte sind seit 2022 im Markt.

ANMERKUNGEN DES VERFASSERS

Wann ist etwas „kein“ Kunststoff? Hightech und Natur Hand in Hand ist auf jeden Fall der richtige Ansatz. Aber vom Ersetzen von Kunststoffen sollte nur gesprochen werden, wenn das tracless® Material wirklich kein Kunststoff ist. Es gilt also zu klären, ob Naturpolymere in technisch veränderter Form keine „Kunststoffe“ sind. Ein Etikettenschwindel käme in der öffentlichen Meinung nicht gut an.

Pressemitteilung der TU Hamburg vom 18.09.25

Bild tracless®

BB
08.10.25