Der Bundesverband Sekundärstoffe und Entsorgung Fachverband Kunstoffrecycling (bvse) warnt vor einem weiteren Verlust europäischer Recyclingkapazitäten.
Während die EU den Einsatz von Recyclingkunststoffen steigern will, fehlen den Recyclern die Absatzmärkte. Recyclingkapazitäten und technisches Know-how sei vorhanden, doch der Absatz der erzeugten Rezyklate bleibe unsicher.
Ein zentrales Problem liege im Preiswettbewerb zwischen Kunststoffneuware und Rezyklaten. Der Preisabstand zwischen Neuware und recyceltem HDPE läge im August 2026 bei 125 Euro je Tonne. Anfang des Jahres habe die Differenz aufgrund der geopolitischen Lage zeitweise 1.140 Euro je Tonne erreicht.
Diese Preisschwankungen würden die Kalkulation und Investitionsplanung der Recycler erschweren. Der bvse fordert deshalb, die Nachfrage nach Rezyklaten stärker von der Ölpreisentwicklung zu entkoppeln.
Nach Angaben von Plastics Recyclers Europe habe die europäische Recyclingbranche innerhalb von drei Jahren rund eine Million Tonnen Recyclingkapazität verloren. Zugleich wachse die Bedeutung von Importen. Der bvse stellt die Frage, wo die Wertschöpfung künftig stattfindet. Er forderte gleiche Standards für europäische und importierte Materialien sowie wirksame Kontrollen und nachvollziehbare Nachweise ein.
Besonders kritisch sei die zeitliche Lücke zwischen der aktuellen Marktsituation und den künftigen gesetzlichen Anforderungen. Mit der europäischen Verpackungsverordnung (PPWR) werden ab 2030 verpflichtende Mindestrezyklatanteile für bestimmte Kunststoffverpackungen wirksam. Die Recyclingunternehmen müsse jedoch bereits heute über Investitionen entscheiden. Fehlender Absatz drücke auf die Margen, Investitionen würden verschoben und Kapazitäten stillgelegt. Steige die Nachfrage erst mit Inkrafttreten der gesetzlichen Quoten, könnten die dafür benötigten Anlagen bereits fehlen.
Um den Recyclingmarkt zu stabilisieren, fordert der bvse verbindliche Rezyklateinsatzquoten, eine stärkere Nachfrage durch die öffentliche Beschaffung, Ökomodulierung für den Rezyklateinsatz und verlässliche Abnahmebedingungen. Hinzu kommen wettbewerbsfähige Energiepreise, weniger Bürokratie und Planungssicherheit für Investitionen.
Ob Europa seine Recyclingziele erreicht, hänge damit auch davon ab, ob es gelingt, die bestehenden Kapazitäten wirtschaftlich abzusichern und Investitionen in den Ausbau des Kunststoffrecyclings anzustoßen.
Pressemitteilung des bvse vom 21.10.26
AK
25.10.26

