Die für Klima- und Ressourcenschutz sowie Unabhängigkeit von fossilen Rohstoffimporten immens wichtige Kunststoff-Recycling-Branche benötige bundesweit dringend neue Impulse für mehr Wettbewerbsfähigkeit.
Zu diesem Schluss kommt eine Untersuchung des Wuppertal Instituts im Auftrag der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) – Optionen für einen funktionsfähigen Markt für Kunststoffrezyklate.
Der Einsatz von Rezyklat sei kein Selbstzweck, sondern eines von vielen dringend benötigten Instrumenten, einen weiteren Anstieg der fossil basierten Kunststoffmengen zu verhindern.
Handlungsvorschläge des Wuppertal Instituts
- Die öffentliche Beschaffung muss stärker als Hebel genutzt werden, Recyclingtechnologien für Kunststoffe zu skalieren. Insbesondere die im Rahmen des Sondervermögens der Bundesregierung geplanten Bauvorhaben sollten hierfür genutzt werden.
- Das Konzept der Mindestrezyklatquoten sollte ergänzt werden um einen effizienten Allokationsmechanismus: Analog zum Emissionshandel braucht es Marktmechanismen Rezyklat dort einzusetzen, wo das volkswirtschaftlich sinnvoll möglich ist.
- Wenn Mindestrezyklatquoten auch der deutschen bzw. europäischen Recyclingindustrie unterstützen sollen, braucht es eine deutliche Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren.
- Reduktion der Materialvielfalt eingesetzter Kunststoffe: Es wird nicht möglich sein, für alle Kunststoffsorten bzw. -kombinationen ökonomisch rentable Recyclingverfahren zu entwickeln. Der Vorteil von Kunststoff-Vielfalt etwa bei Form, Farbe und Festigkeit sei ein Nachteil für die Recycling-Branche: Es gebe Zehntausende Kunststoff-Varianten, die theoretisch denkbare Recyclingverfahren in der Praxis verhindern.
- Globale Standards für die erweiterte Herstellerveranwortung: Das geplante UN Abkommen zur Beendigung der Umweltverschmutzung muss faire Wettbewerbsbedingungen für Rezyklate schaffen, u.a. durch die verpflichtende Einführung von EPR Systemen. Externalisierte Umweltkosten der Herstellung von Kunststoffen sollten durch eine Abgabe kompensiert werden, damit der Markt den effizienten Einsatz von Kunststoff fördern kann.
- Die Transformation zur zirkulären Nutzung von Kunststoffen braucht die gezielte Förderung neuer Geschäftsmodelle, die viel stärker auf die Nutzung von Kunststoff abzielen als auf die Maximierung von Produktion und Absatz.
DBU-Generalsekretär Alexander Bonde fordert eine Abkehr vom linearen Muster des ‚take-make-waste‘. Nachhaltiges Handeln und Wirtschaften funktioniere nur in einer Circular Economy – vom Produktdesign über Müllvermeidung bis zum Wiederverwerten, Teilen, Reparieren und Recyceln.
EU-Verpackungsverordnung (PPWR) sei gut gemeint, habe aber mehrere Haken, so wie Prof. Dr. Henning Wilts, der Autor des Positionspapiers, erläutert. Er weist auf eine akute Bredouille der Branche hin: die schwache Nachfrage nach Rezyklaten – sogar bei steigendem Ölpreis, der erdölbasierte neue Kunststoffprodukte verteuert und somit eigentlich Erzeugnissen aus preisgünstigeren Rezyklaten einen Wettbewerbsvorteil verschaffen müsste. Die Folge: Wegen fehlender Investitionssicherheit geben immer mehr Kunststoffrecycling-Betriebe auf. Know-how gehe verloren, so Wilts. Es drohe eine Rezyklatlücke, was dazu führen könne, dass man wegen der PPWR-Vorgaben auf Rezyklat-Importe aus dem Ausland zurückgreifen müsse.
Der Kunststoffrecyclingmarkt sei hierzulande überwiegend mittelständisch. Fast alles könne recycelt werden, mittels KI-basierter Sortierung sogar sehr spezialisierte Aufbereitung. Wegen fehlender verlässlicher Nachfrage sei aber Stand der Technik, dass diese Innovationen nicht über die Uni-Labore hinauskommen.
AK
11.5.26

