Rotorblätter im Schnelldurchgang testen Montag, 16.01.2012
Die Zuverlässigkeit und Belastbarkeit von Rotorblättern lässt sich in einem vom Fraunhofer- Institut entwickelten Prüfstand an Land im Schnelldurchlauf testen. Die enormen Belastungen werden simuliert und so Aussagen für eine Einsatzzeit von über 20 Jahren getroffen.
Rotorblätter von Windenergieanlagen sind hoch beanspruchte, komplex aufgebaute Bauteile und müssen über Jahre enormen Belastungen standhalten. Besonders gilt das für Offshore-Windparks, in denen sie sich auch gegenüber Salzwasser und Orkanböen behaupten müssen. Hier kommt noch hinzu, dass Techniker nur bei ruhigem Wetter vor Ort tätig werden können.
Forscher des Fraunhofer-Instituts für Windenergie und
Energiesystemtechnik (IWES) in Bremerhaven können auf einem
Teststand an Land für Rotorblätter in vier bis sechs Monaten
die raue Wirklichkeit simulieren und damit Aussagen für die
gesamte Einsatzzeit von mehr als 20 Jahren treffen. Das
BINE-Projektinfo „Die Zeitmaschine für Rotorblätter“
(15/2011) stellt die Arbeit des Kompetenzzentrums Rotorblatt
vor (siehe Anlage).
Neue Windenergieanlagen
kommen seit Jahren mit immer längeren Rotorblättern auf den
Markt. Steht eine solch große Anlage still, zieht das
erhebliche Einnahmeausfälle nach sich. Um sich der
Zuverlässigkeit der Rotorblätter gewiss zu sein, werden bis
zu 90 m lange Blätter in einem Teststand einer
standardisierten Dauerbelastung während ihrer
Entwicklungsphase unterzogen. Es werden Bruchtests
durchgeführt und die Blätter müssen gegenüber dynamischen
Schwingungen ihre Ermüdungsfestigkeit beweisen. Herzstück
des Prüfstands ist ein weltweit einzigartiger 1.000 t
schwerer Einspann-Kippblock, der um 20 Grad gekippt werden
kann. Die Flügel können beim Kippen um bis zu 30 m vertikal
gebogen und mit rund 180 t statisch belastet werden. Ein bis
zu sechs Monate dauernder Test am Kompetenzzentrum kostet
einen Hersteller zwischen 300.000 und 400.000 Euro und dafür
erhält er vertrauliche Ergebnisse für sein neues Blatt.
Derzeit sind die beiden bestehenden Teststände für
mehr als 12 Monate ausgebucht. Daher soll im Frühjahr 2012
ein dritter Prüfstand für kleinere Flügel bis 50 m
hinzukommen. Dieser dient wissenschaftlichen Zwecken.
Bild: Wolfhard Scheer, Fraunhofer IWES - Kippblock zum Aufspannen und Prüfen von Rotorblättern. Blätter können mit rund 180t statisch belastet werden.
Erstellt am 09.01. 2012