21. Kunststofftagung

Mobilität von morgen und Klimawandel im Fokus.

Klimawandel und Mobilität der Zukunft sind brandaktuelle Themen, die alle angehen. Sie standen im Mittelpunkt der diesjährigen Fachtagung des Laborbereichs Kunststofftechnik der Hochschule Osnabrück. Welchen Beitrag kann die Kunststofftechnik leisten, um Emissionen zu reduzieren und Mobilität umweltfreundlicher und sicherer zu machen? Welche Herausforderungen ergeben sich für die Branche aus den politischen Zielsetzungen, den CO2-Ausstoß von Fahrzeugen drastisch zu reduzieren und Elektromobilität zu forcieren? – Diese Fragen standen im Mittelpunkt der diesjährigen Fachtagung des Laborbereichs Kunststofftechnik der Hochschule Osnabrück. Die Tagungsleiter Prof. Dr. habil. Claudia Kummerlöwe und Prof. Dr. Norbert Vennemann freuten sich über großes Interesse aus Wirtschaft und Wissenschaft: Rund 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen nach Osnabrück, um über neue Entwicklungen der Branche zu diskutieren und die begleitende Fachausstellung zu besuchen. Bereits seit 1999 treffen sich Fachleute der Kunststofftechnik in Osnabrück, um sich über neue Trends aus Praxis auszutauschen. Konzepte der Kunststofftechnik für die Mobilität von morgenDie Mobilität der Zukunft bringt auf vielen Gebieten Veränderungen mit sich. Neue Antriebsarten und Fahrzeugkonzepte erfordern neue Werkstoffe, um die nachhaltige Produktion und Nutzung von Fahrzeugen zu ermöglichen. Kunststoffe bieten ideale Voraussetzungen, um den Leichtbau kostengünstig zu realisieren, Recyclingfähigkeit zu verbessern, Ressourcen zu schonen, Effizienz zu steigern und Emissionen zu verringern. Die Herstellung, Verarbeitung und die Anwendung lassen sich mit modernen Prüf- und Analysemethoden weiter optimieren. All dies stand im Mittelpunkt der Fachvorträge, die von hochkarätigen Fachleuten gehalten wurden.  Zum Auftakt der Vortragsreihe zeigte Dr. Stefan Loheide, Vizepräsident und Leiter der Forschung und Entwicklung der BOGE Elastmetall GmbH, wichtige Megatrends wie Klimawandel, Verknappung von Ressourcen, wachsende Fahrzeugproduktion mit Verlagerung des Schwerpunktes nach Asien sowie neue Fahrzeugkonzepte auf. Als Partner der Automobilindustrie müssen Unternehmen wie BOGE Elastmetall auf diese Megatrends reagieren. Anhand von drei Beispielen machte Dr. Loheide deutlich, wie in seinem Unternehmen mit innovativen Ansätzen durch Schäumen, Koinjektion und Einsatz von Organoblechen das Gewicht von E-Autos reduziert werden kann. Innovative Elastomere  sparen KraftstoffElastomere standen im Mittelpunkt der Vorträge von Prof. Dr. Anke Blume von der niederländischen Universität Twente und Prof. Dr. Ulrich Giese vom Deutschen Institut für Kautschuktechnologie. Prof. Blume beantwortete dabei die Frage, wie man bei Autoreifen durch chemische Modifizierung der Polymere den Kraftstoffverbrauch und somit den CO2-Ausstoß signifikant verringern kann. Prof. Giese lieferte einen interessanten Überblick über den aktuellen Stand der Nanotechnologie im Bereich der Elastomere. Er zeigte auf, dass der Einsatz nanostrukturierter Füllstoffe gezielte Eigenschaftsverbesserungen ermöglicht, die für viele technische Anwendungen bedeutsam sind.  Neue Prüfverfahren im FokusDurch verbesserte Produkt- und Prozesskontrolle lässt sich die Qualität von Bauteilen steigern und gleichzeitig Produktionsabfall verringern. Längere Lebensdauer der Produkte und Schonung von wertvollen Ressourcen sind ein wichtiges Ergebnis dieser Maßnahmen. Dr. Uli Schmidhammer, Präsident und Geschäftsführer von TeraTonics S.A.S aus Frankreich, hat dazu ein neues Prüfverfahren vorgestellt. Dabei kann das Innere von Kunststoffbauteilen mit Hilfe von Terahertz-Pulsen zerstörungsfrei sehr schnell bildgebend dargestellt und somit hinsichtlich ihrer Qualität geprüft werden.Wie die Charakterisierung der im doppelten Sinne komplexen viskoelastischen Eigenschaften von Polymeren mit einem modernen Rheometer möglich ist, wurde von Dr. José Alberto Rodríguez Agudo von der Anton Paar Germany GmbH aufgezeigt. Die Untersuchung von Epoxidharzsystemen, die beispielsweise in kohlefaserverstärkten Verbundkunststoffen (CFK) eingesetzt werden, kann damit wesentlich besser als auf herkömmliche Weise erfolgen. Dass man 3D-Druck bereits im Vorfeld auf einem Computer simulieren kann, stellte Dipl.-Ing. Steffen Paul von der SimpaTec GmbH anschaulich dar.   Faserverstärkte Kunststoffe eröffnen neue PerspektivenIn weiteren Vorträgen der Fachtagung ging es um Fasern und faserverstärkte Kunststoffe. Fasern aus Biopolyestern mit optimierten Eigenschaften wurden von Gerard Nijhoving von der niederländischen Firma Senbis Polymer Innovations B.V. vorgestellt. Eduard Stückle von der Firma Arburg berichtete über das direkte Compoundieren von Glasfasern bei der Herstellung von Spritzgussbauteilen aus glasfaserverstärkten Kunststoffen (GFK), die beispielsweise bei der Substitution von Metallen zum Einsatz kommen. Welche Probleme zu lösen sind, um FEM-Berechnungen für Leichtbauwerkstoffe mit Naturfasern präzise durchzuführen, erklärte Stephanie Taphorn, die in einem Forschungsprojekt zu diesem Thema an der Hochschule Osnabrück mitarbeitet. WIP-Jahrestagung und gemeinsame AbendveranstaltungIm Vorfeld der diesjährigen Kunststofftagung, am 26. Juni, fand außerdem die Jahrestagung des Wissens- und Innovationsnetzwerk Polymertechnik WIP in Osnabrück unter der Leitung von Prof. Dr. Thorsten Krumpholz von der Hochschule Osnabrück statt. Die Jahrestagung stand unter dem Motto „Kunststoff für die Mobilität von morgen“. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer beider Veranstaltungen, Ehemalige, Studierende, wissenschaftliche Mitarbeitende und Lehrende der Kunststofftechnik der Hochschule Osnabrück nahmen an der gemeinsamen Abendveranstaltung teil, die vom Vizepräsidenten für Forschung der Hochschule Osnabrück Prof. Dr. Bernd Lehmann eröffnet wurde. Prof. Lehmann stellte in seinem Eröffnungsvortrag die Forschungsstrategie und Forschungsförderung an der Hochschule Osnabrück vor. Danach folgten Eindrücke aus dem Berufsleben aus Sicht eines Absolventen: Synco de Vogel von der Eastmann Chemical Germany GmbH, hatte 1996 sein Doppeldiplom-Studium an der Hogeschool Drenthe in Emmen (Niederlande) und der Hochschule Osnabrück abgeschlossen. Er berichtete in der Veranstaltung über seine Erfahrungen als Kunststoff- Ingenieur in der Industrie. Bevor es in geselliger Atmosphäre zum Ausklang des Abends bei einem leckeren Buffet kam, wurden die Forschungsprojekte des Laborbereichs in einem unterhaltsamen Video vorgestellt, das von dem Mitarbeiter-Team selbst produziert wurde.Bild: Arne von Brill / Hochschule Osnabrück) – Die Referentinnen und Referenten der diesjährigen Kunststofftagung an der Hochschule Osnabrück freuten sich gemeinsam mit den Gastgebern über eine gelungene Veranstaltung.

AK
14.7.19

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