Bakterien machen PLEXIGLAS®

Forscher bei Evonik Industries haben im Labor mit Hilfe von Bakterien unter industriellen Bedingungen reine 2-Hydroxy-Isobuttersäure (2-HIBS) biotechnologisch aus Synthesegas erzeugt.

2-HIBS ist ein Vorprodukt für den Kunststoff PLEXIGLAS®. Synthesegas lässt sich beispielsweise aus Abgasströmen gewinnen. Neben 2-HIBS für die Kunststoffindustrie könnten deren Derivate in der Kosmetikindustrie oder Lackindustrie eingesetzt werden.Synthesegase sind Gasgemische hauptsächlich aus Kohlenmonoxid oder Kohlendioxid und Wasserstoff. Sie können aus kommunalen oder Agrarabfällen erzeugt werden und fallen als Industrieabgase zum Beispiel bei der Stahlproduktion an. Synthesegas wird seit Jahrzehnten in der chemischen Synthese eingesetzt. Die Fähigkeit, Kohlenmonoxid, Kohlendioxid und Wasserstoff in höherwertige Moleküle zu verwandeln, hat Evonik Bakterien der frühesten Erdgeschichte abgeschaut – der Zeit, als in der Erdatmosphäre noch kein Sauerstoff vorhanden war. Die genetische Information für diese Prozesse ist heute noch in bestimmten Mikroorganismen vorhanden. Evonik nutzt deren Enzyme, um eine Zellfabrik zu gestalten, die aus Synthesegas Spezialchemie macht.Die Wissenschaftler bei Evonik arbeiten jetzt daran, diese Idee zu optimieren und weiterzuentwickeln. Bis zur Marktreife werden jedoch noch einige Jahre vergehen.Evonik stellt bereits heute hochwertige Produkte biotechnologisch her. Diese industrielle Biotechnologie der ersten Generation setzt Pflanzenöle, Getreide oder Zucker als Rohstoff für die Fermentation ein. Evonik erzeugt so unter anderem Aminosäuren und kosmetische Inhaltsstoffe. In einer neuen Generation der Biotechnologie, wird Synthesegas auch aus Abfallstoffen anderen Ursprungs, wie kommunale Abfälle oder Industrieabgase, als Rohstoff eingesetzt. Diese Rohstoffbasis ist unabhängiger von fossilen, aber auch von einzelnen nachwachsenden Rohstoffen, die eventuell in Konkurrenz zu Nahrungsmitteln stehen.2-HIBS lässt sich auch chemisch herstellen. Sowohl das chemisch als auch das biotechnologisch hergestellte Produkt lassen sich weiter in Methylmethacrylat (MMA) verwandeln. MMA steckt in Lacken, Farben und Rostschutzanstrichen, in weichen Kontaktlinsen und in Zahnimplantaten. Aus Polymethylmethacrylat (PLEXIGLAS®) entstehen Platten und Profile, Dächer und Schallschutzwände ebenso wie Formteile für den Automobilbau oder Backlight Units für die Beleuchtung von Flachbildschirmen.

Erstellt am 19.1.2014

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