Bisphenol A

Erhöht Bisphenol A das Sterberisiko?

Ergebnisse einer Studie zu der Industriechemikalie sind aus Sicht des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) nicht belastbar – so Mitteilung Nr. 046/2020 des BfR vom 5. Oktober 2020.Die Industriechemikalie Bisphenol A wird vor allem als Ausgangssubstanz für die Herstellung von Polycarbonat-Kunststoffen und Kunstharzen verwendet. Aufgrund ihrer gefährlichen Eigenschaften ist sie in Europa weitreichenden gesetzlichen Regelungen unterworfen. Neben den bisher beschriebenen Wirkungen soll Bisphenol A (BPA) nach einer kürzlich veröffentlichten Studie das Sterberisiko erhöhen. Aus Sicht des BfR ist diese Schlussfolgerung nicht hinreichend belegt. In der im Fachblatt „JAMA Network Open“ veröffentlichten Untersuchung von W ei Bao (Universität von Iowa, Iowa City) und seinem Team wurde der Frage nachgegangen, ob die Belastung mit BPA, ermittelt durch den BPA-Gehalt im Urin, und die Sterblichkeit zusammenhängen. Daten aus einem Fragebogen und einer auf BPA untersuchten Urinprobe von 3883 Personen in den USA wurden in den Jahren 2003 bis 2008 erhoben und mit bis zum Jahr 2015 beobachteten Sterblichkeitsdaten verknüpft. Nach Berücksichtigung möglicher Einflussfaktoren wie Alter, Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit, Ernährung und körperlicher Aktivität ergab sich im Beobachtungszeitraum von im Mittel etwa zehn Jahren ein statistisch auffälliger (signifikanter) Anstieg in der Sterblichkeit in der Gruppe mit dem höchsten BPA-Gehalt im Urin im Vergleich mit der Gruppe mit wenig BPA im Urin.Nach Einschätzung des BfR liefert diese Studie jedoch keine stichhaltigen Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen der BPA-Belastung und einem erhöhten Sterberisiko. Vielmehr stellen das Studiendesign und die durch potentiell vorhandene weitere Störfaktoren verursachten Unsicherheiten die Aussagekraft der Untersuchung in Frage. Das BfR sieht die Ergebnisse dieser Studie daher als wissenschaftlich nicht ausreichend belegt an.

AK
12.10.20

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