Chicoréeabfall als Kunststoffrohstoff

Qualitätsprodukte aus Abfall: Wissenschaftler gewinnen Basis-Chemikalien für Chemie-Industrie aus Wurzelrübe des Chicorée

Rund 800.000 Tonnen Chicorée-Wurzelrüben fallen jährlich europaweit bei der Produktion von Chicorée-Salat als Abfallprodukt an. Die Wurzelrüben werden bisher nach der Ernte des Chicorée-Salats auf der Kompostierungsanlage oder in der Biogasanlage entsorgt. Wissenschaftler der Universität Hohenheim entwickelten nun ein Verfahren, aus diesen Wurzelrüben  Hydroxymethylfurfural (HMF) zu gewinnen, einer der Basisstoffe in der Kunststoffindustrie von morgen.


Die zweijährige Chicorée-Pflanze verbringt nur die ersten fünf Monate auf dem Acker. Mitte Oktober werden die Blätter abgemulcht, die Wurzelrüben geerntet, kühl gelagert und dann in Treibräume gebracht, wo aus der Wurzelrübe neue Blattknospen austreiben, die als Chicorée-Salat geerntet werden. Die Wurzelrübe kann nur einmal für den Treibprozess genutzt werden. Etwa 30 % bleiben als nicht-essbarer Rübenanteil übrig  Erhitzt man diesen Restbestandteil in Druckbehältern mit verdünnter Säure bis zu 200 Grad C, so erhält man nach weiteren Aufarbeitungsschritten ein gelb bis braun gefärbtes kristallines Pulver aus ungereinigtem Hydroxymethylfurfural (HMF). Es ist eine von 12 Basischemikalien, die zukünftig in der Kunststoffindustrie verwendet werden. Es dient als Ausgangsstoff für Nylon, Perlon, Polyester oder Kunststoffflaschen – sogenannten PEF-Flaschen im Gegensatz zu den PET-Flaschen. In einem früheren Forschungsprojekt gelang es, HMF aus Fructose zu gewinnen. Fructose kann jedoch –anders als die Reste aus der Chicorée-Salat Gewinnung- auch für die Ernährung genutzt werden.


Aus ca. 220.000 Wurzelrüben pro Hektar können theoretisch 8,14 Tonnen Inulin gewonnen werden. Das kann nach aktuellem Forschungsstand zu 2,87 Tonnen HMF umgewandelt werden.  


Foto: Uni Hohenheim – Von der Chicorée-Wurzel zum Nylonstrumpf




16.02.2016
KK


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