Gülle als Rohstoff

Der Problemstoff Gülle wird zu einem wertvollen Rohstoff, wenn seine Bestandteile zu definierten Düngerkomponenten aufbereitet werden.

Seit einem Jahr produziert eine unter der Federführung des Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB, Stuttgart, gebaute Pilotanlage zur Gülleaufbereitung mineralische Stickstoff- und Phosphordünger sowie organische Bodenverbesserer. Am 14. Juni 2016 zeigen die Partner des EU-Projekts BioEcoSIM mit einer Live-Demonstration der Anlage ihre Ergebnisse. Pro Stunde verarbeitet die Anlage beispielhaft und zur Demonstration 50 Kilogramm Schweinegülle: zu etwa 500 Gramm mineralischem Phosphatdünger, 500 Gramm mineralischem Stickstoffdünger sowie 900 Gramm organischer Biokohle. 15 Partner aus fünf Ländern haben drei Jahre getüftelt, um aus dem Problemstoff einen wertvollen Rohstoff zu machen.  In einem ersten Schritt wird die wässrige Gülle  in eine feste und eine flüssige Phase getrennt. Die entwässerte feste Phase wird dann mit überhitztem Wasserdampf getrocknet.  Die getrockneten organischen Bestandteile werden bei über 300 °C mittels Pyrolyse zu organischer Biokohle umgesetzt.  In einem Fällungsreaktor wird zunächst Phosphor recycelt und als Phosphat gefällt und abfiltriert. Stickstoff diffundiert als im Wasser gelöstes Ammoniak über eine Membran und wird als Ammoniumsulfat gewonnen. Übrig bleibt ein an Kalium reiches Wasser, das optimal zur Bewässerung eingesetzt werden kann. Im Jahre 2010 fielen alleine in Deutschland 160 Millionen Kubikmeter Gülle, die in einigen Regionen nicht umweltgerecht ausgebracht werden konnte, sondern teilweise in mehrere hundert Kilometer entfernte Gebiete  transportiert werden musste. Dabei besteht Gülle zu 90 Prozent aus Wasser. Die Masse der entwässerten und aufbereiteten Produkte macht dagegen nur noch etwa vier Prozent der ursprünglichen Güllemenge aus. Die Zahl der Lastwagenfuhren für den Gülletransport könnten drastisch reduziert werden.Das Interesse an der Gülleaufbereitung und -verwertung ist groß. Zwar könnte sich eine Anlage derzeit noch nicht aus dem Erlös der Produkte allein amortisieren. Doch Mastbetriebe zahlen immerhin bis zu 25 Euro, um einen Kubikmeter Gülle zu entsorgen. Hier liegt ein großes Einsparpotenzial.
Bild: © Fraunhofer IGB – Mit dem BioEcoSim-Verfahren entstehen aus Gülle wertvolle Phosphordünger (hinten), Stickstoffdünger (rechts) und Bodenverbesserer (vorne).

15.5.16
AK

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