Keine Nanostaub-Gefahr

Das EU- Projekt «NanoHouse» ging mit einer vorsichtigen Entwarnung zu Ende: Nanopartikel in Fassadenfarben stellen keine außergewöhnliche Gesundheitsgefahr dar.

Fünf Abteilungen der Empa, interdisziplinäres Forschungs- und Dienstleistungsinstitut des ETH-Bereichs für Materialwissenschaften und Technologie, Dübendorf CH, forschten zusammen mit vier europäischen Forschungsinstituten und vier Industriepartnern zum Thema «Chancen und Risiken von Nanomaterialien in Fassadenbeschichtungen». Zum ersten Mal wurden nicht nur frisch hergestellte, sondern auch gealterte und aus Produkten freigesetzte Nanopartikel untersucht. Im Rahmen eines «Technology Briefing» diskutierten Empa-Forscher mit Vertretern des Baugewerbes die Forschungsergebnisse. Auf dem Programm standen unter anderem Reibversuche an Modellfassaden, Versuche zur Auswaschung von Nanopartikeln und eine Analyse der biologischen Wirkungen auf Mensch und Umwelt.Manche Farben mit Siliziumdioxid sollen wasserabweisend, leicht zu reinigen und kratzfest sein; Nano-Titandioxid wirkt fotokatalytisch und kann Luftsschadstoffe abbauen. Auch können Nano-Titandioxid, Nano-Zinkoxid und Nano-Eisenoxid als UV-Schutz eingesetzt werden, je nach Grösse der Partikel auch als Schutz vor Infrarotstrahlung, also: Hitze. Ebenso sollen Nanopartikel vor Blaufäulepilzen und Algenbefall schützen. Viele Laborstudien belegen die Wirksamkeit der Nanopartikel, doch in der Praxis bleibt die Frage: Wie viel muss ich der Farbe beimischen, damit es auch wirkt? Aus diesem Grund sind bislang nur wenige Nano-Produkte für Aussenfassaden auf dem Markt. Die grössten Chancen der Nanopartikel liegen in der Kombination verschiedener Funktionalitäten, zum Beispiel Kratzfestigkeit und leicht- oder selbstreinigend.Die Freisetzungsrate der Nanopartikel ist generell sehr niedrig: Nur 1-2 Prozent der Nanopartikel gelangen in die Umwelt. Und diese sind nicht etwa frei unterwegs, sondern meist an größere Farbpartikel gebunden, was ihre nanospezifische Wirkung deutlich mindert. Farben mit Nanopartikeln verursachen dieselben Effekte auf das Verhalten von Magen-Darm-Trakt-Zellen und Immunzellen wie entsprechende Farben ohne Nanopartikel. Daher ist zu erwarten, dass die Farben mit Nanopartikeln kein neues akutes Gesundheitsrisiko darstellen. Gleichzeitig zeigten die Untersuchungen allerdings, dass Nanopartikel von den Zellen aufgenommen werden. Ob diese Akkumulation in den Zellen zu Spätfolgen führt, könne derzeit noch nicht abschließend beurteilt werden.Erstellt am 19.1.2014

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