Kunststoffe im Kompost

Bestimmung der Polymerzugehörigkeit im Kompost.

Das Witzenhausen-Institut für Abfall, Umwelt und Energie GmbH hat Praxisversuche zur Bestimmung der Polymerzugehörigkeit im Kompost mit Hilfe der Universität Bayreuth durchgeführt. Als Ergebnis hält Dr.-Ing Michael Kern vom Witzenhausen-Institut fest: „Der Einsatz von kompostierbaren Bioabfallsammelbeuteln könnte die in der Praxis faktisch genutzte PE-Beutel ersetzen und so zu einer deutlichen Reduzierung von Kunststoffpartikeln im Kompost führen“.In dem Praxistest wurden im Jahre 2019 Komposte aus acht verschiedenen Bioabfallbehandlungsanlagen mit vorgeschalteter Vergärungsstufe untersucht. Hierbei sollten Folienkunststoffe und insbesondere kompostierbare Folienkunststoffe nach der Polymerzugehörigkeit identifiziert werden. Die Kunststoffpolymerbestimmungen wurden von der Universität Bayreuth mittels Attenuated Total Reflection Fourier-Transformations-Infrarotspektroskopie (ATR-FTIR) durchgeführt.Die Anzahl Folienpartikel der Komposte (Mittelwert aus drei Wiederholungen) schwankte zwischen 2,3 und 74,3 Folienpartikeln je Liter Kompost. Der Flächensummenindex der Kunststoffe in den Komposten schwankte zwischen 0,7 cm²/l FM und 13 cm²/l FM; der Mittelwert aller 10 Komposte lag bei 5 cm²/l FM. In 7 der 10 Komposte bzw. in 25 von 30 Stichproben konnten keine BAW-Partikel nach-gewiesen werden. Die Anzahl Kunststofffolienpartikel je Kompoststichprobe (jeweils 1 Liter Prüfsubstrat) schwankte zwischen 1 und 111 Folienpartikeln, insgesamt wurden 446 Kunststofffolienpartikel in den 30 Kompoststichproben gefunden. Die Anzahl der identifizierten kompostierbaren Folien lag bei insgesamt acht Stück oder 0,3 Stück je Kompost (Mittelwert), das heißt über 98 % der Folienkunststoffpartikel waren aus PE oder anderen konventionellen Kunststoffen zuzuordnen. Eine Untersuchung der erfassten Biogutmengen bei 16 öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträgern in Deutschland ergab, dass im Mittel knapp 100 Beutel (ohne Papiertüten) für die Erfassung einer Tonne Biogut eingesetzt wurden. Hierbei lag der Anteil an PE-Beuteln bei ca. 61 % und der Anteil an zertifizierten kompostierbaren Beuteln entsprechend bei 39 % (Schwankungsbereich 19 % bis 61 %). Dies ist dahingehend erstaunlich, da bei allen 16 untersuchten öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträgern der Einsatz von kompostierbaren Beuteln für die Erfassung von Bioabfall nicht erlaubt ist. Unterstellt man, dass der Anteil der kompostierbaren Folienkunststoffe im Biogut-Eingangsmaterial im Mittel bei ca. 39 % liegt, wurde bei den untersuchten Komposten im Mittel nur noch ein kompostierbarer Folienanteil von 1,8 % nachgewiesen. Somit ist davon auszugehen, dass der Einsatz von kompostierbaren Bioabfallsammelbeuteln bei einer Substitution von PE-Beuteln zu einer deutlichen Reduzierung von Kunststoffpartikeln im Kompost führen würde.„Mit diesen Ergebnissen ist ein erneuter Beweis erbracht, dass der Einsatz von Biopolymeren den Kompost nicht schadet, sondern den Bürgern eine hygienische und hochwertige Hilfe für die getrennte Sammlung von Bioabfällen liefert“, sagt der Vorsitzende des Verbundkompostierbare Produkte e.V. Peter Brunk (vgl. PE vom 23. Juni 2020)07.07.20
BB

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