Kunststofftagung FH Osnabrück

Nachhaltigkeit in der Kunststofftechnik stand im Mittelpunkt der diesjährigen Fachtagung „Fortschritte in der Kunststofftechnik – Theorie und Praxis“, die am 25./26. Juni an der Hochschule Osnabrück stattfand.

Eröffnet wurde die Veranstaltung durch den Präsidenten des Bundesverbandes Erneuerbare Energie (BEE) und ehemaligen Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), Dr. E.h. Fritz Brickwedde. In seinem Vortrag zum Thema „Schafft Deutschland die Energiewende?“ machte Brickwedde deutlich, dass die erneuerbaren Energien in Deutschland bereits heute einen hohen Stellenwert erreicht haben und weiterhin dynamisch wachsen werden. Er zeigte außerdem auf, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien nicht zu Lasten der wirtschaftlichen Entwicklung geht, sondern im Gegenteil, die Wirtschaft nachhaltig gestärkt wird und Abhängigkeiten von Gas- und Öl­importen abgebaut werden. Nach dem gelungenen Auftakt am Vorabend, wurde die Veranstaltung am nächsten Tag mit anspruchsvollen Fachvorträgen fortgesetzt. Besondere Aufmerksamkeit wurde dabei dem Vortrag von Prof. Dr. Hans-Josef Endres vom Institut für Biokunststoffe und Bioverbund­werk­stoffe (IfBB) der Hochschule Hannover zuteil, der in seiner Präsentation die Bedeutung der Biokunst­stoffe aufzeigte. „Wir müssen uns darüber klar werden, dass die fossilen Rohstoffe begrenzt sind. Es ist deshalb nicht die Frage ob die Ressourcen zu Neige gehen, sondern nur, wann sie zu Neige gehen“, so Endres in seinem Fachvortrag. „Es gibt somit keine Alter­native dazu, sich heute bereits intensiv mit neuen Materialien auf Basis regenerierbarer Res­sourcen zu befassen. In absehbarer Zukunft werden biobasierte Kunststoffe daher immer mehr an Bedeutung gewinnen und herkömmliche petrochemische Kunststoffe zunehmend ersetzen.“In weiteren Vorträgen gaben Dr. Sarabi vom UL Thermoplastics Testing Center und Dr. Feldman vom Institut für Werkstofftechnik der Universität Kassel einen Überblick über die Verarbeitungs- und Konstruktions-Kennwerte für Biokunststoffe sowie die Herstellung, Eigenschaften und Anwendungspotentiale von naturfaserverstärkten Kunststoffen. Als Vertreter eines führenden Herstellers von Biokunststoffen widmete sich Dr. Christoph Heß von der Fa. Biotec der Frage, wie sich Fremdmaterial auf die Recyclingfähigkeit von Poly­ethylen – Blasfolien auswirkt. Er räumte dabei insbesondere das Vorurteil aus dem Weg, dass Biokunststoffe das Recycling von herkömmlichen Verpackungsfolien aus PE erschwert. „Biokunststoffe verhalten sich wie alle anderen Kunststoffe. Geringe Anteile von Fremd­material sind ohne Eigenschaftseinbußen zu tolerieren. Höhere Anteile führen sowohl bei herkömmlichen, als auch bei Biokunststoffen zu einer Verschlechterung der Eigenschaften“, so Dr. Heß, der diese Aussage mit klaren Fakten untermauern konnte.  Dass Kunststoffe im Bereich der erneuerbaren Energien ebenfalls eine wichtige Rolle spie­len, wurde durch Vorträge von Dr. Borchert von der Universität Oldenburg und Prof. Dr. Claudia Kummerlöwe von der Hochschule Osnabrück deutlich. Normalerweise sind Kunst­stoffe nicht leitfähig und werden aus diesem Grund häufig zu Isolationszwecken eingesetzt. Elektrisch leitfähige Polymere sind neue Materialien, die u.a. in der Dünn­schicht­photovoltaik Anwendung finden und mit denen sich völlig neue Möglichkeiten bieten. Einblicke in die Grundlagen und Anwendungsmöglichkeiten dieser neuen Kunststoffe wurden von Dr. Borchert anschaulich aufgezeigt. Windenergie spielt schon heute eine wichtige Rolle bei der Stromversorgung. Korrosionsprobleme bei Offshore – Windkraftanlagen bilden den Hinter­grund für ein Forschungsprojekt, das von Prof. Kummerlöwe an der Hochschule Osnabrück durchgeführt wird. Das Hochleistungspolymer PEEK soll dazu mit Hilfe eines Laser­be­schichtungs­verfahrens auf Stahlbauteile aufgebracht werden und somit die Korrosions­beständigkeit der Bauteile verbessern. Ebenfalls hoch interessante und anspruchsvolle Anwendungsmöglichkeiten für Kunststoffe ergeben sich in der Brennstoffzelle, über die Sebastian Brokamp vom Zentrum für Brennstoffzellentechnik aus Duisburg berichtete. Bereits heute stehen hochgefüllte thermoplastische Kunststoffe für die Herstellung von Bipolarplatten und anderen Anwendungen zur Verfügung.Noch gerade rechtzeitig vor dem entscheidenden Gruppenspiel Deutschland gegen die USA ging eine spannende und interessante Fachtagung zu Ende, die auch in diesem Jahr wieder durch eine Fachausstellung und Posterpräsentation begleitet wurde. Mit über 100 Teilneh­mern war die Veranstaltung wieder sehr gut besucht. Das interessante Programm, aber auch die angenehme Atmosphäre mit der Möglichkeit zu persönlichen Gesprächen wurde von vielen Teilnehmern gelobt und ist sicher ein Grund dafür, auch beim nächsten Mal im Juni 2015 dabei zu sein. Die Planungen dafür haben bereits begonnen, denn: „Nach dem Spiel, ist vor dem Spiel.“ (Sepp Herberger) Mit der Fachtagung „Fortschritte in der Kunststofftechnik – Theorie und Praxis“ wurde einmal mehr deutlich, dass die Kunststofftechnik über ein enormes Zukunftspotenzial verfügt. Die In­dustrie hat seit Jahren einen überdurchschnittlichen Bedarf an Kunststofftechnik-Inge­nieu­ren, der sich in den kommenden Jahren noch weiter verstärken wird. Die Hochschule Osna­brück leistet seit vielen Jahren einen Beitrag, diesen Bedarf, insbesondere in der Region Os­na­brück, aber auch weit darüber hinaus, zu decken. Wer Interesse hat, „Kunst­stoff­tech­nik“ an der Hochschule Osnabrück zu studieren, kann sich bis zum 15.07.2014 für diesen Stu­diengang mit Bachelorabschluss zum nächsten Wintersemester anmelden. Übrigens, diesen Studiengang bietet die Hoch­schule auch als dualen Studiengang „Kunststofftechnik im Pra­xis­verbund“ an. Darüber hi­naus bietet die Hochschule Osnabrück auch einen Master­stu­dien­gang „Ange­wandte Werk­stoffwissenschaften“ mit einer Vertiefungsrichtung „Poly­mer­werk­stoffe“ an, der für Bachelor­absolventen aus einschlägigen Studiengängen offen ist. Bewer­bungsfrist für das nächste Wintersemester ist auch hier der 15.7.14. Bild: Hochschule Osnabrück

Erstellt am 2.7.2014

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