Medizinprodukte im Kreislauf

Nicht entsorgen, sondern wiederherstellen.

Gebrauchte Herzkatheter nicht entsorgen, sondern mit zertifizierten Verfahren wiederherstellen – die Umweltauswirkungen untersuchte ein Forschungsteam des Fraunhofer-Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT im Auftrag des Medical Remanufacturing Unternehmens Vanguard AG.Remanufacturing statt RecycelnDer wichtige Vorteil des Remanufacturing ist, dass im Gegensatz zum Recycling der Wert eines Produkts erhalten bleibt – sowohl ökonomisch als auch ökologisch. Das Produkt wird nach seiner Nutzung zu seinem höchst möglichen Wert und Nutzen im Kreislauf geführt, wohingegen beim Recycling nur der Wert des Materials erhalten bleibt. Ein recycelter Kunststoff weist beispielsweise eine andere Qualität auf. Beim Remanufacturing geht es darum, das Produkt so aufzubereiten, dass es dieselben Qualitäten besitzt wie ein neu hergestelltes Produkt. Dies ist insbesondere für Kunststoffe im medizinischen Bereich relevant, da bei Medizinprodukten häufig Hochleistungspolymere verwendet werden, deren Eigenschaften im kommunalen Recycling nicht weiter berücksichtigt werden können.Die Aufrechterhaltung des Werts nach dem Erstgebrauch ist jedoch für medizinische Produkte und Geräte besonders schwierig, da sie strengen gesetzlichen Anforderungen unterliegen, z. B. spezifischen hygienischen Anforderungen. Erstausrüster loben sie aus diesem Grund grundsätzlich nur zum Einmalgebrauch aus.Ein wichtiger Prozessschritt ist deshalb beim Remanufactoring die Gewährleistung der Produktsicherheit u.a. durch validierte Reinigungs- und Sterilisationsverfahren, sowie durch umfangreiche Funktionalitäts- und Hygieneprüfungen.Das Forschungsteam von UMSICHT verglich die Neuproduktion eines Elektrophysiologie-Katheters (Herzkatheters) mit einem wiederhergestellten Katheter – mittels des sog. Medical Remanufacturing – insbesondere bezüglich ihrer Auswirkung auf die globale Erwärmung sowie deren Ressourcenverbrauch. Das Ergebnis: Medical Remanufacturing reduziert den CO2-Fußabdruck um über 50 Prozent und den Ressourcenverbrauch um über 28 Prozent. Methodischer Ansatz zur UmweltbilanzDer neu vorgestellte Ansatz bewertet die Umweltauswirkungen auf der Grundlage von Sammelquoten anstatt sich auf einen einzelnen Produktlebenszyklus zu konzentrieren. Der neu eingeführte Modellierungsansatz lässt sich auf die Bedürfnisse anderer Produkte und Sektoren übertragen, um die Auswirkungen der Implementierung verschiedener Circular Econmy (CE)-Strategien aus Systemsicht zu analysieren. Die Wiederaufarbeitung ist ja nur möglicherweise die ökoeffizienteste CE-Strategie für die meisten medizinischen Produkte.Die Methodik zur Kombination von Ökobilanz und Zirkularität sollen weiterentwickelt und verschiedene CE-Strategien in eine Zirkularitätsmetrik integriert werden. Diese verbesserte Methodik soll die Herausforderungen verschiedener CE-Strategien und Beiträge zur Zirkularität wie Wiederverwendung, Sanierung, Wiederaufarbeitung oder Recycling angehen. Da das CE Innovationen hervorruft, könnten Ökobilanzen und Zirkularitätsbewertungen angewendet und referenziert werden, um sicherzustellen, dass Innovationen zu geringeren Umweltauswirkungen führen.Neben der Zirkularität könnten auch die Langlebigkeit der Produkte sowie die Nutzungsintensität relevante Messgrößen für die Analyse des Beitrags zum CE sein. Um den Einfluss der Langlebigkeit und Nutzungsintensität des Produkts zu quantifizieren, sollen in zukünftigen Forschungsarbeiten Indikatoren entwickelt und in Fallstudien validiert werden. Die Quantifizierung der Produktzirkularität, Langlebigkeit und Nutzungsintensität wird als nützliche Metrik in Kombination mit Ökobilanzmetriken angesehen, um einen Umweltnutzen und nicht nur die Umsetzung von CE-Strategien sicherzustellen.Studie: Combining Life Cycle Assessment and Circularity Assessment to Analyze Environmental Impacts of the Medical Remanufacturing of Electrophysiology Catheter,
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Bild: PE Fraunhofer UMSICHT vom 18.02.21, © Vanguard AG

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