Mein Freund ist aus Kunststoff

Er wiegt knapp 440 Gramm, geht ab sofort über den Ladentisch, wird aber erst am 12. Juni offiziell zum ersten Mal mit Füßen getreten: „Brazuca“ heißt das farbenfrohe Spielgerät, das Christiano Ronaldo oder Mesut Özil bei der Fußball-WM in Brasilien mit Füßen streicheln sollen. Gefertigt ist der Ball wie all seine Vorgänger seit 1986 komplett aus Kunststoff.

Fußball in den 50er Jahren: Die Kicker hatten es schwer. Der Ball war alles andere als rund – auch wenn Trainerlegende Sepp Herberger das stets behauptete. Das Spielgerät bestand jedoch aus 18 von Hand zusammengeschusterten Rindlederstücken – Ball für Ball ein Unikat. Es saugte sich bei Regen so voll Wasser, dass es sehr schnell immens schwer wurde und entsprechend schwer zu spielen war. Filigrane Balltechnik war kaum möglich, entsprechend prägten hoher Körper­einsatz und lange Bälle das Bild auf den Plätzen. Zudem musste der Ball penibel gepflegt werden: Einfetten und Luftablassen nach der Partie waren unabdingbar. Schwer zu treten, hart und aus gefettetem Leder blieben die Bälle im Prinzip bis 1986. „Azteca“, die Kugel, mit der dann die argentinischen Fußballzauberer Weltmeister wurden, kam fast einer Revolution gleich: Leder hatte ausgedient, die Kugel war nun aus Kunststoff. In Italien 1990 rollte „Etrusco Unico“, in den USA 1994 der „Questra“. Richtig bunt wurde es erst 1998 in Frankreich mit dem „Tricolore“, dem ersten mehrfarbigen Ball, der die Fraben der französischen Fahne aufnahm. Es folgten 2002 in Japan der „Fevernova“ und für die deutsche Sommermärchen-WM 2006 der „Teamgeist“, der erste Ball mit praktisch nahtloser Oberfläche. Er wurde aus 14 miteinander verklebten Kunststoffpanels gefertigt. Der offizielle Spielball „Jabulani“ für Südafrika 2010 erreichte dann dank nur acht neuartiger, thermisch verschweißter Panels bisher ungekannte Rundheit. Rund zweieinhalb Jahre soll nun die Entwicklung des neuen, ungewohnt bunten „Brazuca“ gedauert haben. Er muss strenge Regeln erfüllen: Der Ball muss konstant rund bleiben, der Umfang 69 Zentimeter betragen. Als Abweichung nach oben und unten erlaubt sind maximal fünf Millimeter. Das Gewicht von Ball zu Ball darf nur im Grammbereich differieren. Auch bei Regen darf er sich nicht mit Wasser vollsaugen. All dies auch, damit der Ball beim Spiel schnell ausgetauscht weden kann. Denn es wird zwar immer nur mit einem Ball gespielt, aber in jedem Spiel kommen zahlreiche Bälle zum Einsatz. Ein auf die Tribüne gekickter Ball kann dank Serienfertigung schnell gegen einen anderen ausgetauscht werden, ein Ball spielt sich wie der andere. Damit wird die Partie insgesamt schneller, die Nettospielzeit nimmt zu.Wenn am 12. Juni 2014 die WM endlich startet, dominiert Kunststoff nicht nur beim Ball. Egal ob Tornetze oder Eckfahnen, rote und gelbe Karten, die Trillerpfeife des Schiedsrichters, Trikots, Schuhe, Schienbeinschoner, Tribünensitze oder Drainagerohre unter dem Rasen, überall vertraut man auf die polymeren Alleskönner.  Bild: „Brazuka“ – adidas.comQuelle: PlasticsEurope Deutschland e.V.

Erstellt am 8.12.2013

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