Offener Brief – Müll im Meer

Sehr geehrte Leser, gerne würde ich Sie auf eine Reise nach Myanmar mitnehmen. Die Bilder vom dortigen Ngapali Strand werfen die Frage auf, wie die europäischen Fördergeldern für die Produktion bioabbaubarer Kunststoffe schnell Nutzen für die Regionen entfalten, in denen bioabbaubare Kunststoffe wirklich sinnvoll genutzt werden können.

Myanmar habe ich damals, im Jahre 2001, als sehr sauberes Land kennengelernt, Müllhalden, insbesondere Kunststoffabfälle, sind mir nie aufgefallen. Insbesondere den relativ bekannten Ngapali Strand mit seinen exquisiten Hotels empfand ich nicht nur als märchenhaft schönen sondern auch als extrem sauberen Flecken Erde.Zwischenzeitlich profitiert im Bereich des Ngapali Strandes die einheimische Bevölkerung von den Tourismus-Einnahmen, was mit einer traurigen Begleiterscheinung verbunden ist. Geht man zu Fuß durch ein nahegelegenes Fischerdorf nach Süden, so gelangt man an eine malerische Bucht mit kleinem Fischereihafen. Der Strand ist übersäht von Müll, insbesondere von Kunststofffolien (siehe Bild).Auf der Wanderung vom Hotel den Strand entlang trifft man auf arbeitende Fischerfrauen, die große Mengen Fisch auf meist blauen Gewebefolien trocknen. Das, was hier ins Meer gespült wird, landet bei Südwind am Strand vor der Hotel Region und wird von Hand täglich eingesammelt, meist morgens früh und abends, so dass der Tourist nichts davon merkt. Also: Was soll es uns Westler kümmern?Mit Wind, Taifun, Springflut usw. wird das meiste ins Meer gespült, verteilt sich in den Ozeanen, gelangt z.T. auch in den Atlantik, in die Nordsee und landet vielleicht auf Sylt am Strand. Es geht uns also etwas an, nicht nur wegen unserer „Globalen Verantwortung“, es trifft uns direkt.Wäre der Folienmüll am Ngapali Strand aus bioabbaubarem Kunststoff, so wäre die Zeit bis zum Zerfall der Folie erheblich kürzer als bei einer konventionellen Folie. Der Müll würde im lokalen feuchtwarmen Klima schnell zerfallen.Wäre es vor diesem Hintergrund nicht sinnvoll, statt nach Fördergeldern für die Produktion bioabbaubarer Kunststoffe in Europa zu fragen, diese Gelder in den Regionen zu investieren, wo bioabbaubare Kunststoffe am besten gebraucht werden können? Zumindest sollten wir darüber nachdenken, wie die Erkenntnisse aus diesen Fördergeldern diesen Regionen schnell zu Gute kommen.
Mit besten GrüßenDr. Klaus Kircher
Dezember 2012

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